Category: 7″, 10″, 12″, EPs


Manic-Street-Preachers-If-You-Tolerate-T-122154

Good Cop schlägt Bad Cop

Diese 12″ ist so nie in den Handel gekommen. Reine Promo Maxi, die Single wurde ausschließlich auf CD veröffentlicht. Das kommt natürlich nicht in Frage. Selten war ein Format so dämlich wie die CD Single. Schon allein deswegen bin ich froh, dieses gute Stück im Second Hand Laden gefunden zu haben. Ein kleiner zweiter Grund: ein Mix, den es auf der CD Single nicht gibt – aber in diesem Fall dürfte das allenfalls für echte Manic Street Preachers Fans relevant sein.

Oder für Massive Attack Fans. Beim fraglichen Mix handelt es sich nämlich um eine instrumentale Variante des Massive Attack Remix. Ob mit oder ohne Gesang – das ist ein böser Remix, das kann man nicht anders sagen. Im gleichen Jahr veröffentlichte Massive Attack das großartige „Mezzanine“ Album, in dem sie oft auf sehr schwere Gitarrenriffs setzten, lauter waren als je zuvor. In diesem Remix legen sie noch eine Schippe drauf.

Robert del Naja und Neil Davidge waren die Gitarren der Preachers offensichtlich ein gutes Stück zu brav, und so holten sie John Harris ins Studio, der war eh grad dabei, seinen Beitrag zu „Mezzanine“ einzuspielen. Böse, fast gewalttätige Attacken sind das, die da verübt werden, laut und verzerrt. Und statt der Drum Tracks des Originals spendierten sie dem Remix eine abgespeckt elektronische Drum Loop, in der allenfalls die Snare noch halbwegs analog klingt.

Das ist durchaus verstörend und irritierend, denn im neuen instrumentalen Arrangement findet sich gar nichts mehr, das irgendwie mit dem Gesang oder auch nur dem Refrain etwas gemein hätte. Es lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob der Remix der Botschaft einen radikalen Verbündeter an die Seite stellt oder ob er Sänger und Instrumentalisten voneinander trennt. Eine Frage, die sich im Instrumental Remix natürlich nicht stellt – in dem aber auch die Verwandtschaft mit dem Original nicht mehr erkennbar ist.

Auf der anderen Seite (und das ist das schöne am Vinyl, es gibt zwei Seiten) tritt David Holmes die Rolle des guten Bullen an, unterstützt von Tim Goldsworthy und Phil Mossman. Feiste zehn Minuten lang ist der „The Class Reunion Of The Sunset Marquis Mix“ – der Verdacht liegt nahe, dass Holmes dem kilometerlangen Songtitel mit Absicht einen fast ebenso langen Remix Titel gegeben haben könnte.

Auch dieser Remix verzichtet auf den Gesang von James Dean Bradfield – statt dessen lässt Holmes dessen Beiträge lieber von der Gitarre übernehmen. Nicht von der eines John Harris, sondern einer, die ganz ins Soundkonzept der Manic Street Preachers passt. Und auch ohne vorher die Massive Attack Mixes gehört zu haben, liegt Holmes mit seiner Bearbeitung recht nah am Original – und doch ist dessen Handschrift absolut unverkennbar. Genau genommen liegt dieser Remix nicht nur zeitlich, sondern auch stilistisch zwischen Holmes‘ zweitem Album, „Let’s Get Killed“, und dem dritten, „Bow Down To The Exit Sign“.

So klar wie das Original im britischen Gitarrenpop zu Hause ist, so deutlich ist der Holmes Remix in dessen Domäne angesiedelt, auf der intellektuellen Seite des Downbeat. Und doch sind die zehn Minuten so etwas wie eine elegische Hommage an die Harmonien und Melodien dieses Titels. Der Beat weniger steif, mit viel Becken- und Schellenkranzeinsatz noch weiter aufgelockert, der Bass souverän tragend – und darüber feiert Holmes alles, was „If You Tolerate This“ zu einem tollen Stück Popmusik macht. Spätestens wenn nach knapp fünf Minuten die synthetischen Streicher in die Huldigung einsteigen, hat Holmes auf ganzer Linie gewonnen.

Dass der Remix auch über die stattliche Länge hinweg nicht langweilig wird, liegt an einigen spannenden Breaks, die es jedes Mal geschickt verstehen, die melodischen Elemente des Titels neu und spannend aufzubauen. David Holmes ist eben nicht nur ein großartiger Produzent und Remixer, sondern auch ein begnadeter Arrangeur. Und dieser Remix einer der gelungensten, die ich je gehört habe. Da siegt der Good Cop mit deutlichem Abstand über den Bad Cop.

MANIC STREET PREACHERS – IF YOU TOLERATE THIS YOUR CHILDREN WILL BE NEXT – EPIC – MSP12 (PROMO ONLY) – 8/10

daftburnin

Transatlantischer Großbrand

Einer von mehreren Krachern aus dem großartigen Debüt Album von Daft Punk. Wie heftig dieses Album einschlug, sieht man schon allein an der Liste der Remixer auf dieser 12″ – der damals noch schwer angesagte House Meister Ian Pooley aus Mainz, die schottischen Labelchefs von Soma, Slam, und der unkaputtbarste unter den Chicagoer House Legenden, DJ Sneak. Anno 1997 konnte man sich kaum amtlichere Remixer wünschen, und Daft Punk bekamen alle drei für diese opulent bestückte Maxi, die mit gut 38 Minuten fast schon Album Länge hat.

Wenn man die French House Bretter kennt, die vor allem Thomas Bangalter vor der Gründung von Daft Punk so produzierte, klingt „Burnin'“ wie eine logische Weiterentwicklung. Konsequent House, elektronisch verbreitert, auf die wenigen Bestandteile reduziert, die Schub ausmachen, angereichert mit ein paar cleveren Loops und Synthesizer Sounds, die Groove und Kontur noch verstärken, manchmal bis kurz vor die Schmerzgrenze.

In der Hinsicht ist Burnin‘ ein Paradebeispiel – Jackin‘ hätte man das auch nennen können, so sehr ist die Grundlage Chicago, nur eben mit typischen Daft Punk Elementen garniert, vor allem diesem fies gnadenlosen synthetischen Sweep Stab, der kräftig an den Trommelfellen nagt. Genau den scheint unser Freund Pooley allerdings nicht wirklich zu mögen – sein „Cut Up Mix“ lässt den House Beat deutlich mehr rollen, konzentriert sich primär auf die formidable Bass Line – und macht aus dem französischen House Bastard ein slickes Dancefloor Tool. Nicht mehr und nicht weniger.

Slam gehen da radikaler ran – ihr neues Beatgerüst ist komplett abgespecktes 909er Skelett mit spärlich gesetzten Samples, runtergekürzter Bass Line und ein paar bearbeiteten Sounds aus dem Daft Punk Archiv. Aus den kurzen fiesen Sweeps werden ausgedehnte, in den Breaks gibt es auch mal eine Portion Filter für den Bass – das ist alles nicht verkehrt, haut aber auch nicht vom Hocker.

Der gute Herr Sneak bekommt gleich zwei Mixes auf die Scheibe, einen „Main Mix“ und einen „Mongowarrior Mix“ – fast 20 Minuten Chicago pur. Typisch Sneaksche straighte Beats mit leicht versetzter Snare und einem ganz kleinen Hauch Latin. So kennt man ihn. Der „Mongowarrior Mix“ kennt nur den Weg nach vorn, schnurgerade, unnachgiebig, und natürlich lässt Sneak die Beats erst mal richtig lange laufen, bevor sich die Bass Line aus dem Off rein schiebt.

Das hat er halt mit den Daft Punk Jungs gemeinsam – die Freude an der Loop, am Wiederholen und Variieren, an der Konzentration auf die Dynamik. Und im Gegensatz zu seinen Remix Kollegen auf dieser Maxi hat er auch keine Manschetten, sich den fiesen Sweep zu greifen – auch wenn er hier eher im Hintergrund agiert, sich dezent dem Groove unterordnet. Man kann sich zwischendurch fragen, ob das irgendwo hin führt, oder ob das einfach nur eine zehnminütige House Übung am Original ist, aber konsequent ist das allemal.

Nicht ganz so warriormäßig und etwas variabler zeigt sich der „Main Mix“, der sich mehr auf die Stilelemente und Samples der Daft Punk Kollegen konzentriert und diese auf einem Beat garniert, der deutlich mehr drauf haut. Da bleibt viel von der leicht anarchischen Charmanz des Originals auf der Strecke, hier wird nicht gelacht, das ist ne ernste Angelegenheit. So marschiert der Mix durch gut neun Minuten, in denen keine Gefangenen gemacht werden.

Viel Holz, dicke Namen, ein echter Klassiker. Darf man in der Sammlung haben, auch wenn sich Burner heute natürlich anders anhören.

DAFT PUNK – BURNIN‘ 12″ – VIRGIN – 724389455168 – 6,5/10

hackcolldiggi

Was für ein Getröte

Spätestens seit den Zeiten des Bucovina Clubs haben es Bläserensembles leichter, auf Partys ordentlich einzuheizen. Das ist auch in London nicht anders, wo seit 2008 die Hackney Colliery Band mit einem üppigen Set von sieben Bläsern, einem Schlagzeuger und einem Bassisten für fröhliche Abende sorgt.

Dabei geht es durchaus auch mal innovativ zu, was das Repertoire angeht. Hier wird poppendreist mal eben der Blackstreet-Hit „No Diggity“ durch die Tröten geschoben – und das auch noch richtig gekonnt. Da wird auch nicht noch groß im Studio Personal hinzugefügt, um das hinzukriegen, da reichen die üblichen neun. Die dicken Hörner übernehmen Bass und Thema, die höheren greifen sich die Gesangsspuren, schon läuft das Ding.

Dass das etwas staksiger auf die Bühne kommt, gehört einfach dazu, da wäre es glatt ein Fehler, irgendwie dem R&B Groove hinterherzupusten. Statt dessen lieber ein paar richtig schmissige Soli, auch mal quer übers ausgedehnte Drum Break, und rund ist die Sache. Macht richtig Spaß.

Und keiner soll sagen, B-Seiten hätten nichts zu bieten. „House Arrest“ ist nicht, wie der Titel erahnen lassen könnte, ein nachgespielter Hit aus der Frühzeit des House, das ist ein fast schon klassischer Balkan-Kracher aus der Feder der Hackneys. Das ist sicher nicht sonderlich revolutionär, aber es macht ordentlich Laune, ist fein eingespielt (Benedic Lamdin von Nostalgia 77 saß an den Reglern) und hübsch ausgedacht. Freu mich schon drauf, das mal auf ner Party laufen zu lassen. Prost!

HACKNEY COLLIERY BAND – NO DIGGITY / HOUSE ARREST – WAH WAH 45s – WAH7037 – 7,5/10

Barry-Adamson-Movieology-EP-463440

Zitatespaß für Cineasten

Beim Stöbern im Regal – ich wollte heute mal etwas aus dem hinteren Bereich des Archivs auswählen – stieß ich auf diese EP von Barry Adamson, die ich vermutlich einst wie so viele andere gute Stücke im Number Two in Frankfurt-Sachsenhausen erstand. Dabei fiel mir wieder auf, dass mir der Barry immer so ein wenig am Rande des Radars entfleucht ist – wann immer mir was von ihm in die Hände fiel, fand ich es interessant, aber dann doch nicht so sehr, dass ich länger dran hängen blieb.

Dabei hat der Mann eine wirklich bemerkenswerte Geschichte. Früh schon in der Punk Ära aktiv gewesen, damals Mitgründer von Magazine, dann schwer am New Wave Projekt Visage beteiligt, später auf immerhin vier Alben Mitglied von Nick Caves Bad Seeds, schließlich solo unterwegs, auf Mute, sowie als Schreiber von Soundtracks. Auf seine Kappe gehen unter anderem die Soundtracks von Natural Born Killers, Lost Highway und The Beach.

Auf dieser EP sind fünf Stücke aus drei Adamson Alben zu finden, die – der Titel und die Historie des Künstlers lassen es erahnen – alle irgendwie mit Filmen zu tun haben. Allerdings auf unterschiedliche Weise, und das ist das reizvolle daran. Denn es ist keineswegs so, dass die Titel aus Adamson-Soundtracks entstammen.

So ist „The Man With The Golden Arm“ ein Stück von Adamsons „Moss Side Story“. Das Album ist ein fiktives Soundtrack – also als solches angelegt und komponiert, nur gibt es gar keinen Film dazu. Um den Salto rückwärts komplett zu machen: Dieser Titel gehört zu den drei Bonus Tracks, die damals der CD Ausgabe hinzugelegt wurden, und stammt nicht von Barry Adamson. Es ist das Cover einer Nummer von Elmer Bernstein aus dem gleichnamigen Film von 1955. Eine opulent orchestrierte Burlesque Nummer, wie zum Strip geschrieben, dezent mit elektronischen Elementen angereichert.

Woher „007 – A Fantasy Bond Theme (Dance Version)“ stammt, dürfte nicht weiter schwer zu entschlüsseln sein. Ich mochte die Adamson-Version schon sehr gern – sie ist auf seinem „Soul Murder“ Album zu finden. Das schöne daran ist, dass die Bond-Titelmusik als lupenreiner Reggae angelegt ist, und James Bond ein kleiner Junge aus Kingston ist. Wirklich liebevoll gemacht. Als ich diesen Titel auf dieser EP sah, muss meine Sorgfalt schwer ausgesetzt haben, vor lauter Freude. Ich übersah den Zusatz „Dance Version“. Tatsächlich wurde die auf dieser EP zu findende Version von Ivor Wimborne und Atticus Ross tanzbar gemacht. Letzteren findet man heute im Umfeld von Trent Reznor, damals war er noch Mitglied von Bomb The Bass. Der Remix? Für damalige Verhältnisse sicher nicht schlecht – aber in Anbetracht des Originals unsinnig.

Die übrigen drei Stücke stammen von „The Negro Inside Me“, seinem 1993er Soloalbum, auf dem er sich sogar erlaubte, „Je t’aime (moi non plus)“ zu covern. „The Snowball Effect“ ist eine aus heutiger Sicht wilde Mischung aus übereifrigem 90er Dancefloor, Hip Hop Elementen, einem Anrufbeantwortermitschnitt einer PR-Frau, und ein paar Soli auf Flöte und Schweineorgel.

„Busted (The Michaelangelo Version)“ ist so etwas wie eine salonfähig gemachte Collage diverser Hip Hop Standards, mit allerhand Soundfiles aufgemotzt, da rauscht schon mal die Polizei durch den Mix, während die Bläser so ein wenig Dragnet-Atmosphäre aufkommen lassen. Ordentlich Schlagzeug, dicke Synth Bässe, Orgeln, Spielhallensounds – produktionstechnisch war damals mehr eindeutig mehr, das Ding platzt fast aus den Nähten. Phasenweise recht funky für eine Zitatesammlung.

Zum Ende dann noch „Dead Heat“ – mit schwerem, schleppendem Beat, drohenden Synth Bläsern und Crime Thematik. Auch für dieses Stück bräuchte es ein recht intensives 90er Revival – die Synthesizer hören sich ziemlich nach Plastik an, und die generös mit Raum versehene Abmischung wirkt heute arg dick und künstlich. Um die Fähigkeiten von Barry Adamson als Arrangeur und Komponist richtig zur Geltung zu bringen, brauchte es noch ein wenig Zeit.

Nach fünf Stücken weiß ich, warum Barry Adamson mir nur bedingt in Erinnerung blieb (eben mit dem Original des Fantasy Bond Themes), und warum diese EP weiter hinten im Archiv stand. Vielleicht kann sich noch ein Adamson Fan die Sammlung erweitern, viel mehr geht da nicht. Vermutlich auch mit 90er Revival nicht.

BARRY ADAMSON – MOVIEOLOGY – MUTE – 12MUTE183 – 5/10

mumdusklog

Immer diese Isländer

Es ist sowas von überfällig, dass ich mal nach Island reise. Also wenn da mal nicht grad wieder ein Vulkan das Hinfliegen verhindert. Aber im Moment wird ja nur Lava gespuckt. Flüssiges Erdinneres, wie Knickebein aus dem Schoko-Osterei, nur ein Stück wärmer. Das ist schon recht spektakulär, aber nur halb so ungewöhnlich wie die Leute da. Man schaue sich nur die Björk an. Oder Sigur Rós. Die haben auch so einen Akzent auf nem Vokal, und alle haben sie so ein wenig einen am Sträußchen.

Was durchaus ein Kompliment ist. Schließlich kommt da Musik bei raus, zu der wir Zentraleuropäer gar nicht fähig wären. Wir verlegen schon mal den Lauf einer Landstraße, weil irgend eine Unke sonst ausgerottet wird. Isländer legen da noch einen drauf, die bauen tatsächlich eine Umgehung um einen Felsen, von dem die Einheimischen überzeugt sind, dass es eine Elfenkirche ist.

Damit dürfte auch der Kontext dieser EP recht gut geschildert sein, die mit so ungewöhnlichen Songtiteln aufwartet wie „Will The Summer Make Good For All Of Our Sins?“. Man möchte für einen Parkplatz an genau dieser Umgehung plädieren, um in der Elfenkirche um Rat fragen zu können. Vermutlich werden die Elfen zu Bedenken geben, dass der Sommer von Sünden nichts wissen will, allenfalls der Winter beklagen könnte, dass das, was im Sommer mitunter geschieht, Sünde sei.

Das dazugehörige Stück Musik jedenfalls hört sich an wie ein Rückblick auf einen Sommer, der zu viel Wehmut führte, wie eine etwas düstere Version eines alten Kinderlieds, von gespenstisch wirkenden kindhaften Stimmen gesungen, bis zur dunklen Ahnug verlangsamt und verschleppt, begleitet von allerhand morbiden Geräuschen, die denken lassen könnten, dass die, die dort singen, auf einem schweren alten Ruderboot durch den nächtlichen Nebel entschwinden.

Múm und auch Sigur Rós haben so rein gar keine Berührungsängste mit dem tief Emotionalen, sie lieben es, knietief im Elegischen zu waten, drücken hemmungslos auf Tränendrüsen rum, schwelgen bis weit über den Horizont hinaus und steigern sich in verzückend entrückte musikalische Elfenwelten hinein, die mit einer Überzeugung vorgetragen werden, mit der mehr als nur Landstraßen verlegt werden können.

Für Múm richtiggehend prototypisch ist da „Kostrzyn“, am Anfang dieser 10″ EP, das auf zerbrechliche, zaghafte Melodien vehement emotionale Fanfaren, Trommeln und Violinen folgen lässt, die auch mal so unvermittelt einsetzen, dass man sich fast erschrickt. Vertieft wird die sehnende Vehemenz noch durch den Einsatz einer Melodica – die darf bei Múm eigentlich eh nie fehlen. Irgendwo in diesem akustischen Elfenzirkus finden wir auch hier und da die Stimme der Sängerin, aber sie taucht auch wieder ab, wie überhaupt die Instrumente mehr vorbeimarschieren als dass sie Teil eines lesbaren Arrangements wären.

„This Nothing Blowing In The Faraway“ ist auch so ein flüchtiges fragmentarisches Märchen im langsamen Tempo, wie ein seltsamer isländischer Blues, in dem eben nicht der alte Mann an der Gitarre singt, sondern das Mädchen im Nebel zwischen den heißen Quellen am Fuße des Vulkans. Und statt von der Schwernis des Lebens berichtet sie von Dingen, die sie in einem Traum gesehen hat, oder auch in echt, man weiß es nicht so recht, es macht so viel oder so wenig Sinn wie der Titel des Stücks.

Im abschließenden „Boots Of Fog“ geht es tatsächlich recht neblig zu – allerhand unerklärliche Geräusche, ein völlig verzerrter Bass, der tönt wie ein Nebelhorn, jede Menge Glocken, Knarren, Knarzen, Knistern, so etwas ähnliches wie Gesang, oder Flüstern, eine Annäherung an einen Rhythmus, der sich aus den Nebelschwaden hervorarbeitet, ein verstimmtes Banjo – man wähnt sich wie im Intro eines Hörspiels aus einem fernen Land, in dem es mehr Nebel als Sonne gibt, in dem man eher im Boot sitzt als im Auto, in dem das Unerklärliche alltäglich ist. Múm macht auch mal Stücke, die nur bedingt als Musik zu bezeichnen sind, aber trotzdem oder gerade deswegen Geschichten erzählen.

Man kann sich durchaus daran stören, dass die Sängerin von Múm, Kristin Anna, mit sehr viel kindlichem Liebreiz und lieblichem Samt in der Stimme intoniert, das ist sicher Geschmackssache. Es ist aber stimmig, im Bandkonzept, und „normaler“ Gesang ist bei dieser Musik tatsächlich nicht denkbar. Man kann sich auch daran stören, dass man keinen Schimmer hat, was die Isländer mit ihrer Musik nun genau ausdrücken oder gar mitteilen wollen. Das gilt es hier eher zu erspüren. Kann man sich drauf einlassen und es lieben – oder eben nicht, dann findet man sie vielleicht einfach nur spinnert.

Ich mag so Geschichten mit Elfenkirchen, ich mag auch Geschichten, die irgendwie spannend sind, obwohl man sie nicht versteht. Ich mag es, wenn Leute nicht so sind wie wir, und Musik machen, die sich nicht nach drei platten Songzeilen schon erschließt. Ich hab noch nie einen Reiseführer über Island gelesen, aber nach dem Hören dieser und ähnlicher Platten habe ich eine ungefähre Ahnung, was mich dort erwartet. Wie gesagt, ich muss da endlich mal hin.

MÚM – DUSK LOG EP – FAT CAT – 10 FAT 03 – 7/10

russincogzaius

„One Classic Track – Two Versions“ – oder auch vier.

Ein nettes Konzept ist das, was man sich da bei Expansion ausgedacht hat. Eine Serie mit 10″es, in der man sich jeweils einen Klassiker greift und ihn einer modernen Variante gegenüberstellt. Und zwar nicht einem Remix, sondern einer neu eingespielten Version des gleichen Stücks. Nicht, dass da Missverständnisse aufkommen.

In der inzwischen dritten Runde hat man sich einen Jazzfunk-Klassiker von 1976 herausgepickt. Eddie Russ mit „Zaius“. Herr Russ ist ein Keyboarder aus Pittsburgh, der in vor allem in den 70ern aktiv war, und mit seiner Band eine Handvoll Alben produzierte. „Zaius“ war klar sein größter Wurf, und ein sehr gelungener Griff ins Regal der vergessenen Klassiker.

Zugegeben – ich kannte das Stück nicht, ebenso wie den guten Eddie. Damit scheine ich mich aber in richtig guter Gesellschaft zu befinden. Denn als ich das Stück auf decks.de vorhörte, war das ein richtig lässiger und entspannter Groover. Auch als ich die Platte auspackte, sie auf dem Plattenteller platzierte, und dort die geforderten 33 Umdrehungen pro Minute wählte, war es das noch.

Nur… um dieser Rezension ein wenig Gehalt zu geben, forschte ich im Internet ein wenig weiter. Unter anderem hörte ich mir den Track von der Original LP auf Youtube an. Doch was höre ich da? Ein flotter Tanzflächenfeger im Uptempobereich. What the fuck? Zurück an den Plattenteller, schnell mal von 33 auf 45 umgeschaltet, noch mal neu angesetzt – und siehe da, das nun zu hörende Stück von der 10″ ist identisch mit dem Teil, das auf Youtube zu hören ist.

Also klarer Fall: Die Plattenfirma hat die falsche Geschwindigkeit auf das Label gedruckt, und bei Decks hat man die Angaben brav umgesetzt, ohne zu wissen, dass man da die falsche Geschwindigkeit laufen hat. Das interessante ist nämlich: „Zaius“ hört sich auch auf 33 durchaus prima an, und tatsächlich fällt es schwer, dem so entstehenden Stück anzuhören, dass da was falsch läuft.

Wir gehen mal davon aus, dass man bei Expansion nicht absichtlich die langsamere Variante gewählt hat, weil man das so besser findet. Denn auch die Version von Incognito ist mit der falschen Angabe versehen. In jedem Fall habe ich mir tatsächlich diese 10″ wegen des Originals gekauft, und nicht wegen der Incognito-Kopie.

Und egal unter welcher Geschwindigkeit, das Original groovt deutlich mehr, die schrammelnden Soul-Gitarren wirken ein gutes Stück authentischer. Incognito ist sicher eine feine Band, aber eben immer auch ein wenig arg gebügelt, schweißfrei. Eddie Russ ist sicher auch der etwas virtuosere Keyboarder. Trotzdem – auch wenn wie so oft die Kopie nicht ganz an das Original heranreicht – das Konzept dieser Reihe macht Spaß.

Lustig ist das mit dem falschen Tempo allemal. Ich glaube, ich werde mir mal den Spaß erlauben, bei einem Bar-Set den Eddie auf 33 laufen zu lassen. Ich bin sicher, dass das niemand beanstanden wird. Muss mir nur überlegen, was ich sage, wenn mich einer fragt, was das denn für ein Stück sei. Und was ich mache, wenn der Eddie vorbei kommt.

EDDIE RUSS / INCOGNITO – ZAIUS – EXPANSION – 10EXP20142 – 6,5/10

tony-allen-theo-parrish-day-like-this

Wären nur alle Tage wie dieser

Das konnte ja nur ein großer Wurf werden. Theo Parrish allein hätte ja schon gereicht. Egal was der Mann tut, es hat einfach große Klasse. Hier tut er das, was er am besten kann, produzieren und die Keyboards bedienen. Die Drums übernimmt Tony Allen. Nigerianer, Drummer in Fela Kutis Africa 70, Vater des Afrobeat, Polyrhythmiker, verehrter und gesuchter Session Musiker.

Da lässt man dann auch nicht irgendwen singen. Eska Mtungwazi, geboren in Zimbabwe, beheimatet in London, und von niemandem geringeren als Gilles Peterson als eine der wichtigsten britischen Sängerinnen bezeichnet. Und wenn man die drei zusammen hat und Theo Parrishs „Flowers“ noch in den Ohren hat, dann muss auch Andrew Ashong noch dazu geholt werden, und seinen Bass bringt er auch gleich mit.

Theo Parrish startet mit dieser 12″ sein neues Label „Wildheart“ und erklärt uns, sein Sound Signature Label sei für den Körper, Wildheart für alles andere. Interessanter Ansatz, nur ist die Wirkung insbesondere von „Day Like This“ auf das, was Theo als alles andere bezeichnet, so dermaßen nachhaltig, dass der Körper davon definitiv nicht unbetroffen bleibt.

„Day Like This“ ist schon deswegen ein großartiges Stück, weil es einerseits das Kunststück fertig bringt, einen richtig amtlichen modernen Soul Klassiker abzuliefern, andererseits aber dank der unvergleichlichen Art von Tony Allen, sein Schlagzeug zu bedienen, weit davon entfernt zu sein, auch nur in die Nähe eines Klischees zu kommen. In diesen paar Minuten erlebt man, was moderner Soul leisten kann, wenn man nicht in vordergründigen R&B Platitüden denkt, wenn man sich nicht ohnehin schon wundgescheuerter Schablonen bedient, die aus alten Scheiben geschnitzt und über irgendwelche Sternchen gestülpt werden, um sie gewinnmaximierend durch die Abendunterhaltung der Fernsehsender zu schleusen.

Auf der Rückseite geht es ein ganzes Stück samtiger zu, mit dicken Synth Pads, und David Okumu komplettiert das Ensemble als Gitarrist. „Feel Loved“ lebt ebenfalls vom großartigen, hier etwas zurückgenommeneren Schlagzeugspiel Tony Allens, und die fünf haben alle Zeit der Welt. Everyobody wants to feel loved, mehr muss man nicht sagen, und das kann man ruhig auch minutenlang tun, wenn man es so stilvoll und beseelt tut wie hier.

Und statt dass das Stück sich aufbaut, wird es zur Mitte hin eher dekonstruiert, um Theo und Tony ein wenig Raum für Improvisationen zu geben. Ganz weit öffnet sich hier der Raum, und nur langsam findet der Rhythmus wieder zurück ins Arrangement, da sind wir längst über den Feldern der Liebe schwebend entrückt. Es scheint als hätte Theo Parrish in Tony Allen einen idealen Partner gefunden, für all das, was nicht Körper ist. Sehr fein.

THEO PARRISH & TONY ALLEN – DAY LIKE THIS / FEEL LOVED – WILDHEART – WHR 001 – 8/10

invcindetjaz

From Motor City to Motor City

Dass sich hinter dem Namen Inverse Cinematics zumindest zur Hälfte der gleiche Mann verbirgt wie hinter dem ungleich bekannteren Namen Motor City Drum Ensemble, musste ich mir tatsächlich von Eddi erklären lassen, dem Barmann in Rödelheim, in dessen Laden ich jahrelang die Freitagabende beschallen durfte. Ja, sagte er, als ich ihn erstaunt ansah, das ist der gleiche Typ.

Stimmt. Danilo Plessow, seines Zeichens viel gefeierter House Held aus Stuttgart, war auch vorher schon recht amtlich unterwegs, nur ungleich näher am Jazz. Was der Titel dieser EP ja durchaus nahe legt. Dass der Name der anderen großen Autostadt im Titel der EP zu finden ist, hat ebenso seine Berechtigung – das, was wir hier zu hören bekommen, ist zumindest im Titeltrack durchaus Detroit Jazzin‘ und nicht, beispielsweise, New Orleans Jazzin‘.

Also flottes Tempo, stilvoller Einsatz von Synths, ein wirklich guter Groove, ein paar soulschwangere Gesangssamples. Das Jazz Element klar am akustisch klingenden Bass zu erkennen, und am trocken treibenden, lässig gebrochenen Beat. Was wir sonst nur aus Skandinavien zu hören kriegen, beispielsweise von Xploding Plastix, oder dann und wann von Kevin Yost dargereicht bekommen, hier kommt es satt und kompetent aus Stuttgart.

Wie auch beim Motor City Drum Ensemble ist die Drum Arbeit von Danilo Plessow exzellent, die Samples sind klug gewählt und stimmig, der Einsatz der Synth Sounds stilvoll. Spannende Breaks sorgen für ausreichend Abwechslung – kein Wunder, dass Eddi damals der Track so gut gefiel.

Der Main Mix ist klar der Favorit hier – der All Good Funk Alliance Remix bringt nicht wirklich neue Ideen, wirkt fast eher wie eine Alternativversion des Originals. Die variierte Bass Line hat nicht den gleichen Drive, der modifizierte Drum Beat nicht so viel Groove, die bearbeiteten Vocal Samples garnieren mehr als dass sie dem Konzept angehörten – das ist nett, das gefällt, aber rollt auch ein wenig beliebig an uns vorbei.

Auf der B-Seite geht Herr Plessow etwas kantiger an die Beat- und Sample-Arbeit, lässt mal schön die Synths knarzen und die Beats rumpeln, so als wollte er uns sagen, dass der gefällige Teil des Abends nun vorbei sei und die deftigeren Nummern ausgepackt werden. „Sine-Flow Disco“ hört sich denn auch an als wäre es so etwas wie eine Zero dB Neuabmischung eines Inverse Cinematics Stücks. Da meint es einer ernst, inklusive Lateinamerikanischer Elemente und deftigen Drum Breaks. Gegen Ende geht die Reise definitiv Richtung Brasilien, ohne das elektronische Element über Bord gehen zu lassen.

Das abschließende „April Four“ nimmt dann wieder deutlich Tempo und Druck raus, so als wolle man sich eher Richtung Washington bewegen, in die Eighteenth Street Lounge der Thievery Corporation. Sehr auf Salon getrimmt, mit entspanntem Groove, und die Querflöte vom Dorfmeister ist auch mit dabei. Wie immer bei Inverse Cinematics überzeugende Beats, nur der Gehalt ist hier etwas dürftiger ausgefallen. Gute B-Seite halt.

Eine solide EP von einem Projekt, das durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte. Aber die bekam der gute Danilo dann ja noch – als Motor City Drum Ensemble.

INVERSE CINEMATICS – DETROIT JAZZIN‘ EP – PULVER – PULVER 016 – 6,5/10

kamflimrem1

Vier mal fein gemischt bitte

Die Karlsruher Experimental-Elektroniker lassen sich auf dieser EP von vier ausgewiesenen Feinmotorikern der elektronischen Musik ein paar schöne neue Kleider schneidern – Jan Jelinek (~scape), Nôze (Get Physical), Staubgold Labelkollege David Last und Aoki Takamasa (Fat Cat, heute Raster-Noton).

David Last verwandelt „Matt“ in ein leicht verspieltes, fast fröhliches, richtiggehend indisch verbrämtes kleines Fest mit feinen gebrochenen Beats, Dub Anleihen und Schellenkranzgehüpfe fast wie beim Folkloreabend im Touristenhotel. Richtiggehend übermütig, mit Kollektief-untypisch lebhaftem Kern. Fast schon treibt er es ein wenig zu bunt. Aber nur fast.

Herr Takamasa setzt im Anschluss im Remix von „After The Rain“ einen deutlichen Kontrapunkt, mit reduziertem Tempo im elektronisch verkleideten Hip Hop Beat, zerhäckselter Elektronik und ganz viel Entspanntheit. Das ist richtiggehend funky, und die kleinen Garnierungen vom Xylophon geben dem ganzen noch einen richtig feinen entrückten Hauch von Unschuld. Fast schon ein wenig zu lieb. Aber nur fast.

Nôze setzen beim „Lichterloh“ Remix auf flotte Minimal Beats und eine gute Prise Melancholie, gepaart mit ein wenig originalem Saxophon-Irrsinn und vokale Experimente – zwischenzeitlich treibt das gut an, schont hier und da allerdings auch nicht gerade die Nerven. Fast schon ein wenig zu forsch. Aber nur fast.

Das klare Highlight ist aber der Jan Jelinek Remix für die „Unstet-Schleifen“. Ein irrsinnig langsamer, deutlich in Jazz getränkter Beat mit einer simplen, aber wunderbaren Bass Line, ein paar Soundschleifen, die sich wie himmlisch entrückte Hawaii-Gitarren anhören – und beglückend seeliger Tiefe. Das ist von wirklich sehr seltener Schönheit. Nein, definitiv nicht fast schon zu schön. Einfach nur richtig schön.

KAMMERFLIMMER KOLLEKTIEF – REMIXED PART 1 – STAUBGOLD – STAUBGOLD 63 – 8/10

burgerewor

Ians Extrarunde im Hause Krause

Seitdem ich bei der Auswahl von Tonträgern für diesen Blog immer mal wieder auf erstaunliches stieß, wenn ich mir Werke ausgesucht habe, die ich irgendwie noch nicht so richtig wahrgenommen hatte, obwohl sie schon länger in meinem Besitz waren, habe ich so etwas wie ein Faible für das Aufspüren derartiger Fundstücke entwickelt. Und tatsächlich ist es immer wieder so, dass ich dabei höchst Erfreuliches entdecke.

Zumindest partiell ist das auch hier der Fall. Ian Simmonds, ein Künstler der frühen Stunde bei !K7, war für mich überraschend ins Zentrum der leicht frickelig freidenkenden Minimalelektroniker emigriert, zu Musik Krause, w0 er dann aber wie befreit frische kreative Adern entdeckte und dann doch zum nachvollziehbaren Mitglied der krausen Familie wurde.

Spätestens die Remixes seiner Burgenland Dubs sorgten dann dafür, dass aus dem Simmonds Uns Ian wurde, komplett mit Krause Duo Remix und so. Man könnte argumentieren, dass die Burgenland Dubs schon ein so dermaßen erfreuliches Ereignis waren, dass die vier kleinen Nachklapper hier nicht wirklich von großer Bedeutung sein könnten, aber das wäre wirklich etwas arg zickig.

Das Hübsche an dieser EP ist, und da fangen wir heute einfach mal hinten an, dass es das Krause Duo ist, das dem Ian, der den Krauses eine Tüte Jazz mitbrachte, als er zum Label kam, beim Remix von „Kon 1“ eine Art Retourkutsche verpasst, indem sie für ihre Neuabmischung Mat Grote einladen, der eine feine Jazz Gitarre spielt, und dann noch Krishan Zeigner perkussive Additive beisteuern lassen. Fast so als wollten sie Simmonds sagen, ist okay, haben uns über die Tüte gefreut, Nachschub wär auch okay.

Dave Aju hat „The Esel“ ein wenig geschoren und gebürstet, der ist gar nicht mehr so störrisch wie im Original, mutiert glatt zum The Dancefloor Esel. Die Vocals hat er auch gleich noch weiter nach vorne geholt, als wollte der Dave gleich einen Hit-Esel frisieren. Tut aber gut, das funktioniert.

Eindeutiger Höhepunkt der EP ist aber ohne jeden Zweifel der Even Tuell Remix von „Speak“, der geradezu elegisch und schwärmerisch daher kommt. Fast wäre man genötigt, sich zu fragen, ob das nicht vielleicht doch der Superpitcher gewesen sein könnte. Da nimmt man sich einfach die tief im Komplexen vergrabene Seele des Grooves vom Original, legt sie konsequent frei, fügt ein paar wunderbar einfache und effektvoll verfremdete Streichersamples hinzu, reduziert das vokale Geschehen auf ein einziges Wort, „Speak“ natürlich, und lässt uns fast siebeneinhalb Minuten schwelgen. Richtig schön ist das.

Der Opener „Lutherstreet Blues“ mit Martin Rudloff an der Trompete ist dann noch einmal ein Willkommensgruß der Krause Gang an den Simmonds’schen Jazz, atmosphärisch dicht und auf verregnete Weise cool. Fast schon etwas für ein Soundtrack, aber bei den Krauses ist eben immer schon mehr möglich gewesen als anderswo.

Das einzig vorsichtig kritische, was man sich so denkt, wenn man die vier Tracks gehört hat: Mensch, wäre bei so einem feinen Album nicht vielleicht noch ein wenig mehr drin gewesen als vier Remixes? Aber meckern ist echt nicht so angebracht. Ich für meinen Teil freue mich, dass ich an Abenden, wo es mal so richtig schön emotional werden darf, der „Speak“ Remix in der Tasche darauf wartet, seine Wirkung zu entfalten. Ich freu mich drauf.

IAN SIMMONDS – THE BURGENLAND REWORKED EP – MUSIK KRAUSE – MK 32 – 8/10