daftburnin

Transatlantischer Großbrand

Einer von mehreren Krachern aus dem großartigen Debüt Album von Daft Punk. Wie heftig dieses Album einschlug, sieht man schon allein an der Liste der Remixer auf dieser 12″ – der damals noch schwer angesagte House Meister Ian Pooley aus Mainz, die schottischen Labelchefs von Soma, Slam, und der unkaputtbarste unter den Chicagoer House Legenden, DJ Sneak. Anno 1997 konnte man sich kaum amtlichere Remixer wünschen, und Daft Punk bekamen alle drei für diese opulent bestückte Maxi, die mit gut 38 Minuten fast schon Album Länge hat.

Wenn man die French House Bretter kennt, die vor allem Thomas Bangalter vor der Gründung von Daft Punk so produzierte, klingt „Burnin'“ wie eine logische Weiterentwicklung. Konsequent House, elektronisch verbreitert, auf die wenigen Bestandteile reduziert, die Schub ausmachen, angereichert mit ein paar cleveren Loops und Synthesizer Sounds, die Groove und Kontur noch verstärken, manchmal bis kurz vor die Schmerzgrenze.

In der Hinsicht ist Burnin‘ ein Paradebeispiel – Jackin‘ hätte man das auch nennen können, so sehr ist die Grundlage Chicago, nur eben mit typischen Daft Punk Elementen garniert, vor allem diesem fies gnadenlosen synthetischen Sweep Stab, der kräftig an den Trommelfellen nagt. Genau den scheint unser Freund Pooley allerdings nicht wirklich zu mögen – sein „Cut Up Mix“ lässt den House Beat deutlich mehr rollen, konzentriert sich primär auf die formidable Bass Line – und macht aus dem französischen House Bastard ein slickes Dancefloor Tool. Nicht mehr und nicht weniger.

Slam gehen da radikaler ran – ihr neues Beatgerüst ist komplett abgespecktes 909er Skelett mit spärlich gesetzten Samples, runtergekürzter Bass Line und ein paar bearbeiteten Sounds aus dem Daft Punk Archiv. Aus den kurzen fiesen Sweeps werden ausgedehnte, in den Breaks gibt es auch mal eine Portion Filter für den Bass – das ist alles nicht verkehrt, haut aber auch nicht vom Hocker.

Der gute Herr Sneak bekommt gleich zwei Mixes auf die Scheibe, einen „Main Mix“ und einen „Mongowarrior Mix“ – fast 20 Minuten Chicago pur. Typisch Sneaksche straighte Beats mit leicht versetzter Snare und einem ganz kleinen Hauch Latin. So kennt man ihn. Der „Mongowarrior Mix“ kennt nur den Weg nach vorn, schnurgerade, unnachgiebig, und natürlich lässt Sneak die Beats erst mal richtig lange laufen, bevor sich die Bass Line aus dem Off rein schiebt.

Das hat er halt mit den Daft Punk Jungs gemeinsam – die Freude an der Loop, am Wiederholen und Variieren, an der Konzentration auf die Dynamik. Und im Gegensatz zu seinen Remix Kollegen auf dieser Maxi hat er auch keine Manschetten, sich den fiesen Sweep zu greifen – auch wenn er hier eher im Hintergrund agiert, sich dezent dem Groove unterordnet. Man kann sich zwischendurch fragen, ob das irgendwo hin führt, oder ob das einfach nur eine zehnminütige House Übung am Original ist, aber konsequent ist das allemal.

Nicht ganz so warriormäßig und etwas variabler zeigt sich der „Main Mix“, der sich mehr auf die Stilelemente und Samples der Daft Punk Kollegen konzentriert und diese auf einem Beat garniert, der deutlich mehr drauf haut. Da bleibt viel von der leicht anarchischen Charmanz des Originals auf der Strecke, hier wird nicht gelacht, das ist ne ernste Angelegenheit. So marschiert der Mix durch gut neun Minuten, in denen keine Gefangenen gemacht werden.

Viel Holz, dicke Namen, ein echter Klassiker. Darf man in der Sammlung haben, auch wenn sich Burner heute natürlich anders anhören.

DAFT PUNK – BURNIN‘ 12″ – VIRGIN – 724389455168 – 6,5/10

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