Category: R – T


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Besser als das Cover

Fangen wir mal mit dem Ende an, sozusagen. Auf der Innenhülle steht mutig: „Stetsasonic is the one and only Hip Hop Band and the future of soul music.“ 1991, als die Westküste schon richtig dick im Geschäft war und der Trend eher Richtung Knarre ging als in Richtung Soul, war das ein ziemlich gewagtes Statement. Sicher, es resultiert aus dem Selbstbewusstsein, das zwei sehr erfolgreiche Alben mit sich bringen, und im Gegensatz zu den Formationen, die sonst so das Geschäft dominierten, war Stetsa tatsächlich eine Band und nicht ein paar Rapper mit nem Produzenten.

Trotzdem – das mit der Zukunft klappte nicht. Nach diesem Album war Schluss mit Stetsasonic. Ob mit oder ohne Tränen sei mal dahingestellt – Fakt ist, dass Hip Hop sich längst von seinen Soul und Funk Wurzeln entfernte, wie der aufmüpfige Sohn, der keine Lust hat, von irgend etwas abzustammen und rigoros die Selbstbestimmung sucht. Vermutlich ist das auch für lange Zeit das letzte Album eines Hip Hop Acts gewesen, in dem man sich auf Otis Redding, Sam Cooke, George Clinton und andere bezog.

Böse Zungen würden sagen, dass eine Band, die ein so unfassbar grottiges Cover wählt, keine Berechtigung hat, über dieses Album hinaus zu überleben. Es ist wirklich schlimm. Eine recht stümperhafte Darstellung der Band beim Gleisbau, bei der die Darstellung der horrend überzeichneten Muskelpartien wohl die meiste Zeit beansprucht hat – und dabei auch noch grobe anatomische Ungenauigkeiten aufweist. Und warum man beim Gleisbau gleichzeitig Vinyl in Karren schaufelt, wird auch nicht klar. Vermutlich musste in letzter Minute noch ein Bezug zum Musikgeschäft eingebaut werden. Man kann sich gut vorstellen, wie mancher Homeboy die Platte möglichst unauffällig zur Kasse schleppte.

Hat man diese künstlerische Entgleisung erst einmal hinter sich gebracht (was nicht schwer fallen durfte, Hip Hop Alben waren selten für guten Geschmack bekannt), wird man beim Hören der Platte selbst zumindest nicht unangenehm überrascht. Denn tatsächlich ist Stetsasonic eine Band, und das macht sich positiv bemerkbar. Beipsielsweise dadurch, dass es einen richtigen Schlagzeuger gibt, wo andere nur Samples und Drum Machines kennen.

Der instrumentale Opener „Hip Hop Band“ stellt dann auch gleich den richtigen Kontext her. Der Beat ist so klassisch wie die Samples, und viel mehr als die Vorzeichen fürs Album zu setzen, wird hier eh nicht angestrebt. „No B.S. Allowed“ ist schon als Titel richtig nett, wenn man bedenkt, dass auf der anderen Seite des Kontinents bereits „Fuck The Police“ zum normalen Umgangston gehörte. Da läuft der Drum Beat schön flüssig durch, inhaltlich hat man aber nicht viel zu bieten.

Es folgt eine Widmung an UTFO, „Uda Man“ – immerhin ein paar eher ungewöhnlichere Samples und eine gute Portion Humor. Schweiß bricht noch keiner aus, aber hier und da wippen ein paar Füße. Für „Speaking Of A Girl Named Suzy“ wird das Tempo zwischenzeitlich angehoben, ein bisschen Spaß gemacht, das rückt schon nah an frühe Fresh Prince Harmlosigkeiten. Immerhin, eine Prise P-Funk ist dabei.

Dass dieses Album keinen sonderlich großen Erfolg hatte, könnte auch damit zu tun haben, dass es zwar ein ganz gutes Niveau hat, aber keinen richtigen Hit wie „Talkin‘ All That Jazz“ zum Beispiel. Das gilt auch für das Titelstück, in dem Stetsasonic allenfalls zu Normalform auflaufen, aber einfach nicht mitreißen. Am Ende der ersten Seite noch ein wenig Spässken – „Paul’s A Sucker“, mit verstellten Stimmen und ein bisschen Blödsinn – verlängert das Album nur, welchen Sinn das hat.

Es fragt sich ohnehin, ob es nötig gewesen wäre, das Album mit gleich elf Stücken auszustatten – auf CD waren es sogar unglaubliche 17, und man wundert sich nicht, wenn man hier und da hört oder liest, dass das Ding Längen hat. Und dann verhaut man sich noch bei den Tracks. Auf der LP steht am Anfang der zweiten Seite ganz deutlich „I Like To Party“ – tatsächlich heißt das Stück aber „So Let The Fun Begin“ – so steht es dann auch auf der Platte selbst. Dabei singen sie ständig „I Like To Party“. Egal. Funky Party Jam mit reichlich bekannten Samples aber ohne richtig dicken Drive.

„Go Brooklyn 3“ ist selbst für 1991 ein wenig Old School, längst fanden die Battles nicht mehr zwischen New Yorker Stadtteilen statt, sondern zwischen Ost- und Westküste. Credits gibt es für eine dicke Prise P-Funk und einen einfallsreichen Titel – „Don’t Let Your Mouth Write A Check That Your Ass Can’t Cash“ kommt aber trotzdem nicht vom Fleck, und die Texte sind altbacken.

So ein wenig Schwung kommt bei „Ghetto Is The World“ auf, da wird wieder etwas deutlicher, dass das eine Band ist – aber gerade die weiblichen Soul Chöre, die den Refrain einbringen, wirken wie reingeklebt. Zuletzt gibt es noch nach dem B.S. am Anfang was für die M.F.s – immerhin ausgesprochen. Ein bisschen mehr Flow als bei den meisten anderen Stücken, auch wenn das Stück über das, was lange vorher schon Eric B & Rakim perfektioniert hatten, nicht hinaus kommt.

Man kann sich vorstellen, woran Stetsasonic in der Nachfolge scheiterten. Ein klares Konzept ist nicht zu erkennen, Prince Paul produziert nicht so überzeugend wie für De La Soul, der Anspruch, eine Band zu sein, wird nicht konsequent durchgezogen, und man weiß nicht so wirklich, wofür diese Band steht. Dass hier fast jeder der sechs Stetsas mal produzieren darf, hat sicher auch nicht unbedingt geholfen.

Vermutlich war nach diesem Album einfach die Luft raus. Und das, obwohl es wirklich weit weniger gute Hip Hop Alben gab, vor allem im aufkommenden Gangsta Rap. Der war aber in seinen besten Momenten innovativ, und das kann man von diesem Album wirklich nicht sagen.

STETSASONIC – BLOOD, SWEAT & NO TEARS – TOMMYBOY / WARNER – 9031-74230-1  – 5/10

Tosca – Opera

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Oper mal anders

Als 1997 der Kontinent zunehmend in den Bann des Wiener Downbeat Sounds geriet und die vorherrschende Meinung die war, dass Kruder und Dorfmeister die coolsten Hunde weit und breit wären, begab sich der Herr Dorfmeister mit seinem Kumpel Rupert Huber ins Studio, um dem doch recht spärlichen Output des K&D Projekts etwas substanzielleres hinzuzufügen. Man nannte sich Tosca, und das erste Album hieß dann auch konsequenterweise „Opera“.

Das interessante an diesem Projekt ist, dass der Sound des Duos dem Kruder & Dorfmeister Stil durchaus verwandt ist, gleichzeitig aber ein gutes Stück wagemutiger und experimenteller daher kommt, damit auch anspruchsvoller, greifbarer. Wo K&D dem Wohlklang fröhnen, liegt Tosca so etwas wie ein Konzept zugrunde, das wohl am ehesten mit dem von David Holmes‘ „Let’s Get Killed“ Album zu vergleichen ist, das im gleichen Jahr erschien.

Wie bei Holmes werden Sprach- und Gesangssamples verwendet, die der Verdichtung der Atmosphäre dienen, den Flow unterstützen, vage Themen einbringen und den konzeptionellen Anspruch illustrieren. Dass Dorfmeister und Huber dabei recht nah am damaligen Wiener Sound blieben, ist logisch – aber im Gegensatz zu vielem, das damals produziert wurde, lässt sich „Opera“ auch im Jahr 2014 noch mit Genuss hören.

Mit „Fuck Dub Part 1&2“ beginnt das Album gleich mit einem Paradebeispiel für die Produktionsweise des Duos – schleppende Beats, lässiges Bass Thema, schräge verlangsamte Gesangssamples und Sprachschnipsel, Synth und Vibraphon – es braucht nicht viel, um selbst über die stattliche Spielzeit von 8 Minuten und 40 Sekunden keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Das folgende „Amalienbad“ ist so etwas wie eine Collage diverser gefundener Sounds und Aufnahmen, vermutlich aus alten Radiosendungen, auf der Straße aufgenommenen Gesprächsfetzen, Scatgesang von Straßenmusikern und ähnlichem – hier wird die Parallele zum David Holmes Album am deutlichsten. Im Anschluss wartet der „Worksong“ mit etwas mehr Tempo auf, mit breit angelegten Synth Teppichen, die dieses Projekt auch klar von K&D abgrenzen – und zwei Bass Riffs, die sich ideal ergänzen. Dazu wie schon beim Fuck Dub ein paar Dub Spielereien und Gesangssamples – alles mächtig entspannt und weit oberhalb des sonst üblichen Downbeat Niveaus dieser Zeit.

„Gimmi Gimmi“ zeigt erneut, welch formidables Händchen Huber und Dorfmeister vor allem bei der Auswahl der Beat- und Bassthemen haben – gerade weil sie hier grundsätzlich mit ebenso spannenden wie lässigen Kombinationen kommen, braucht es nicht mehr viel, um hörenswertes zu erschaffen. Ein paar Synth Riffs, ein paar dezente Vocal Samples und ein simples Piano Thema – fertig ist ein weiterer Downbeat Juwel.

Die nächste kleine Soundcollage stammt ganz offensichtlich von einem Straßenmusiker, der sich als „Chocolate Elvis“ vorstellt – das ist dann auch der nächste Titel des Albums, den man zweifellos zu den besten des Downbeat Genres zählen darf. Wieder ein herrlich dezenter, leicht jazziger Drum Beat, ein einfaches Bass Thema, Gesangssamples von eben jenem Chocolate Elvis und einer Opernsängerin (dürfte ja aus der „Tosca“ sein, oder?), ein paar Keys dürfen auch nicht fehlen. „Chocolate Elvis“ zeigt vielleicht am deutlichsten, warum Tosca deutlich mehr zu bieten hat als K&D.

Sechs von zehn Stücken dieses Albums sind vorüber – inklusive der kleinen Intermezzi – und das Album ist bereits jetzt ein echter Meilenstein des Genres. Vermutlich genau der richtige Zeitpunkt, um mit „Ambient Emely“ einen sehr deutlichen Kontrast zu setzen. Denn Dorfmeister und Huber können nicht nur dem Downbeat neue Höhepunkte bescheren, sondern auch exzellente Ambient Exkursionen fabrizieren. Vielschichtig, Neugier weckend, eine meditative Reise durch Nebel voller Stimmen, die von überall her stammen könnten, irgendwo zwischen Orb und Biosphere.

„Postgirl“ weckt uns dann mit einer Reprise des vorher schon verwendeten Scatgesangs, deutlich verlangsamt, mit eiernden Synths und japanischem Zählen, ebenfalls schon am Anfang des Albums zu hören – eine viereinhalbminütige Collage, in der die Samples gestückelt, neu zusammengesetzt, zu Chören kombiniert und durch die Drums aus dem „Fuck Dub“ ergänzt werden. Was nach Kakophonie klingt, hat trotzdem etwas melodiöses, was chaotisch scheint, hat doch eine klare musikalische Ordnung. Nichts, was man mit auf die Insel nähme, aber eine interessante Übung allemal.

Dann kommt wieder eine Minute vom Chocolate Elvis, der seinen Scat Stil erklärt, als wolle er ihn uns beibringen. Ein heiserer alter Mann, wie es scheint, der dabei improvisiert, fast schon rapt. Und schon sind wir am Ende des Albums, bei „Buona Sarah“, einem zehnminütigen Stück, das mit ungewohnt rohem Schlagzeug und gewohnt lässiger Bass Line aufwartet. Eine wieder leicht dubbige Expedition durch die Sound- und Samplewelten der beiden Produzenten, die über die lange Spieldauer immer wieder die Elemente variiert und austauscht und so nie eintönig wird. Fast schon konsequent endet es in einem dreiminütigen Nachhall aus Dub und Ambient.

Ich weiß noch sehr gut, wie ich damals in Frankfurt-Bockenheim im „Freebase“ dieses Album erstand, und wie sehr es mein ohnehin schon großes Interesse an diesem damals noch recht neuen Musikstil verstärkte. Manche behaupten, dass der Erfolg dieses Albums nicht möglich gewesen wäre, wenn es nicht die „DJ Kicks“ von Kruder & Dorfmeister gegeben hätte. Ich wage da zu widersprechen – die DJ Kicks hat sicher das Genre geprägt und sehr viel Aufmerksamkeit in Richtung Downbeat gelenkt, aber ohne Alben wie dieses wäre das Genre auch gleich wieder ausgereizt gewesen.

„Opera“ ist wegweisend und innovativ, vielseitig und interessant. Die Art und Weise, wie hier einzelne Elemente immer wieder aufgegriffen, modifiziert, variiert, in unterschiedlichen Tempi wiedergegeben und neu zusammengestellt werden, erinnert sogar ein wenig an „Neu!“, und auch sonst ist die Haltung bei aller Wiener Lässigkeit durchaus ein wenig dem Krautrock nahe. Und damit schweben Huber und Dorfmeister deutlich über dem, was der Downbeat sonst so hervorbrachte.

TOSCA – OPERA – G-STONE – G-STONE CD 002 – LP: STYLE DISQUES STY 001 – 8,5/10

tcorpabduct

Diebe auf Abwegen

1999 war die Thievery Corporation schon richtig fett im Geschäft. Ihr erstes Album war – auch Dank der Verwendung des großartigen „Shaolin Satellite“ auf der DJ Kicks von Kruder & Dorfmeister – richtig gut angekommen, und in der Folge zeigten die ersten 12″ Auskoppelungen des folgenden Albums, dass die beiden Chefs bei der Thievery Corporation das Niveau nicht nur halten, sondern auch noch deutlich steigern konnten.

Neben den bereits erwähnten Kruder & Dorfmeister war es zweifellos die Thievery Corporation, die den neuen Downbeat Sound definierten – und davon wollten auch diverse Künstler durch Remixaufträge etwas verabreicht bekommen. So ist die Liste der hier geremixten Künstler auch durchaus erlesen. David Byrne ist dabei, Gus Gus, Stereolab, Black Uhuru – stilistisch ist das obendrein auch eine beachtliche Bandbreite.

David Byrne lässt sich beispielsweise sein „Dance On Vaseline“ neu frisieren und bekommt prompt etwas geliefert, das dessen prägnante Gesangsarbeit geradezu elegant wirken lässt. Fast schon ein wenig zu glatt, könnte man meinen, aber primär weil der David doch irgendwie gar nicht so ein glatter ist. Baaba Maal liegt da schon ein klein wenig näher, denn schon 1999 war das Faible der Thievery Corporation für dubbige Weltmusik-Exkursionen stark ausgeprägt. Und so ist Baaba auf einem Beat, der klingt wie ein 90er-Jahre-Update des alten Paid-In-Full Drum Samples, primär über tief verhallte Vocal Samples zu hören, während man den Keyboards schon fast klassische Thievery Themen und Sounds entlockt. Das ist nicht weltbewegend, aber nett anzuhören.

Mit der Neubearbeitung von „Kc Doppler“ von der eher unbekannten Formation Slide Five weist das Album den ersten eher müden Titel auf – ein Beat, ein recht penetrant wiederholtes Orgelthema, ein paar spacige Effekte und Intermezzi, das ist etwas zu eintönig, um zu überzeugen. Wohliges Lounge Gepucker, das keine Richtung hat. Leider. Die Neubearbeitung von Rockers Hi-Fis „Transmission Central“ kommt da deutlich besser weg, natürlich auch weil die Rockers ein weit lohnenswerteres Original bereitgestellt haben. Flott flott das Ganze, aber Vorsicht, nicht dass noch Schweiß auf der Stirn den Auftritt versaut.

Und dann wird es diffizil. Denn „Tickertape Of The Unconscious“ von Stereolab ist im Original schon eine verdammt gute Nummer. Sich überhaupt dran zu setzen ist schon ziemlich gewagt. Wie bei der Corporation so üblich wird erst mal entschlackt, dann werden ein paar Elemente hervorgehoben – hier die Vocal Tracks – und das, was dann noch da ist, stilvoll angereichert. Das ist am Ende sehr Thievery, sehr lässig, von kühler Eleganz. Ist das gut? Offensichtlich wollte man es so, bei Stereolab.

Ähnlich geht es einem bei Pizzicato 5, deren „Porno 3003“ bereits als verdammt lässiger Trip daher kam – und nun als Thievery Corporation Remix fast so wirkt als wollte man alles raus nehmen, das beim Abspielen in einer Cocktail Lounge zu viel Aufmerksamkeit beansprucht. The artists have left the building. Oder dösen im Fauteuil, und werden anschließend von den johlenden Thievery Labelkollegen Thunderball geweckt, deren „Hijack“ vom schon damals nur wenig zeitgemäßen Drum And Bass Korsett befreit wird, aber dennoch nicht zwingender wird.

Edson Cordeiro, ein wohl recht begnadeter brasilianischer Sänger, bekommt sein „Ave Maria“ neu abgemischt und landet wie schon Baaba Maal im Hallraum und bekommt ein teilweise fast orientalisch anmutendes Ambiente, das durch kräftige Midtemporhythmen aufgepeppt wird – wie schon bei Slide Five eher ein wenig erinnerungswürdiger Moment der Sammlung. Auch von Waldecks „Defenceless“ bleibt nicht viel aufregendes hängen – das kann aber auch damit zusammenhängen, dass aus heutiger Sicht die Trip Hop Attitüde des Stücks nur bedingt verdaulich ist. So allein und schutzlos und so. Hm.

Dann „Polyesterday“ von Gus Gus. Siehe oben. Verdammt mutig, sich das vorzunehmen, wie schon im Fall von Stereolab, denn Gus Gus waren schon verdammt eigensinnig damals, passten in so gar kein Schema. Und Thievery war definitiv Schema. So sehr, dass vom Stück selbst mächtig wenig übrig bleibt. Puckert, blubbert, hallt, läuft durch. Bei Hooverphonic ist im Anschluss die gewöhnungsbedürftige Stimme der Chanteuse noch prägnanter – und findet nicht wirklich die Verbindung zum geremixten Instrumentalteil. Eher eine leicht verstörende Demontage.

Konsequenterweise tun sich die Herren Remixer bei den Avatars of Dub und deren „Sexelevatormuzik“ deutlich leichter, offensichtlich, weil deren Musik deutlich näher an der der Thievery Corporation liegt. Das groovt dann schon eher wie im Stile des ersten T-Corp-Albums und verströmt so ein klein wenig „Summer Madness“. Und danach dann Black Uhuru wie in einem modernen Dub Mix, das kann ja nur passen. „Boof ’n Biff ’n Baff“ wird sauber dekonstruiert und neu verklebt, das kann man so machen.

Es folgt noch eine moderat bearbeitete Version von Ursula 1000s „Savoir Faire“ und eine recht müde Neuabmischung von „Closer To God“ von Urbs ’n Chaoz – beides nichts, das das Gesamturteil des Albums noch groß beeinflussen kann. Ob es daran liegt, dass eineinhalb Jahrzehnte später die Anfänge der Downbeat Ära ein wenig beliebig wirken, ein wenig inhaltsleer und fassadenschwanger? Ich glaube nicht. Denn zum einen sind die spannendsten Stücke dieser Zusammenstellung im Original weit aufregender, und zum anderen ist das meiste dessen, was die Thievery Corporation vor und nach dieser Sammlung von Remixen gemacht hat, deutlich gehaltvoller und relevanter.

THIEVERY CORPORATION – ABDUCTIONS AND RECONSTRUCTIONS – EIGHTEENTH STREET LOUNGE MUSIC – ESL 017 – 5/10

schoollysatnight

Ungehobelt

Das ist ja immer so eine heikle Geschichte, das mit dem „wer hat’s erfunden?“. Die Namen, die einem immer so eingetrichtert werden, die die Erfinder von irgend etwas gewesen sein sollen, waren meist nicht die tatsächlichen Erfinder, sondern eher nur die, die eine neue Erfindung kommerziell nutzbar gemacht haben. Und auch wenn diese Formel hier ein wenig weit ausgelegt scheint – sie passt auch prima auf das Thema Gangsta Rap.

Denn wenn man mal so die Baseballkappenfraktion fragt, wer denn wohl der erste Gangsta Rapper gewesen sein mag, dann heißt es ganz schnell „Ice T natürlich“. Aber da ist – und das muss man ihm hoch anrechnen – genau dieser Ice T deutlich anderer Meinung. Für ihn war es eindeutig Schoolly D. Den kennen zwar nur echte Insider, aber man muss sich nur sein „P.S.K. – What Does It Mean?“ anhören, und dann direkt im Anschluss den Anfang von „6 In The Morning“ von Ice T, dann ist alles klar. Aber wie gesagt, Ice T hat da keine Scheu, uns zu sagen, wo die Inspiration her kam.

Klar, man kann sich fragen, ob es nun so eine tolle Sache ist, der echte erste original Gangsta gewesen zu sein. Und man kann sich auch fragen, ob das tatsächlich auch die Intention war. Tatsächlich hat Jesse B. Weaver, Jr. alias Schoolly D nichts anderes gemacht als sein tägliches Leben zu beschreiben und es mit einer gehörigen Portion Macho-Allüren und Großmäuligkeit zu garnieren. Dabei kann man ihm sogar noch attestieren, dass er sich selbst und seine Abenteuer auch nicht so richtig ernst nimmt – zumindest nicht am Anfang seiner Karriere.

Damals war das Geschrei aber groß. Schoolly D wäre das schlechtestmögliche Vorbild für die Jugend, man müsse seine Platten aus den Läden verbannen, und so weiter und so weiter. All das, was später auf nationaler Ebene und mit großen Bürgerinitiativen (weitaus berechtigter) auf die dann ausufernde Gangsta Rap Szene los ging.

Heute hören wir uns Schoolly D auf dessen „Saturday Night“ Album an und müssen doch ein wenig schmunzeln. Tatsächlich ist das größtenteils wirklich recht harmlos, was da so getextet wird. Interessanter ist da schon viel eher die Art, wie hier produziert wird, wie gerapt wird, wie das Ganze präsentiert wird. Was natürlich deutlich auffällt, ist, noch lange bevor man den ersten Ton gehört hat, wie einfach die Mittel gewesen sein müssen, mit denen die ersten Alben aufgenommen und gestaltet worden. Schoolly D selbst übernimmt mit krudem und genau genommen konzeptlosem Graffitti-Gekritzel auf Pennäler-Niveau die Covergestaltung. Auf der Rückseite ebenso vom Rapper geschriebene Titel und ein simples Foto vom Schoolly mit seinem DJ. So ziemlich das Gegenteil von sophisticated. Aber das gehörte bei ihm einfach dazu.

Passt auch, denn vor allem für die ersten Veröffentlichen wie zum Beispiel das erwähnte „P.S.K.“ stand nur ein billiger kleiner Drumcomputer zur Verfügung, die Decks von DJ Code Money, und allenfalls noch ein billiges Gerät zum Sampeln. Wenn irgend jemand wirklich extrem LowFi unterwegs war, in der eh schon mit simpelsten Mitteln arbeitenden Welt des frühen Rap, dann war das Schoolly D. Dazu gehörte auch eine Art zu rappen, die sowas von dahingerotzt und schlampig war, dass man es schon wieder als Stilmittel bezeichnen musste.

Das war der Charme des Schoolly D. Total ungeschönt, total ungehobelt, ohne den leistesten Versuch, irgend etwas an dem, was er da tat, aufzupolieren, hübsch zu machen. In der Hinsicht war er auf jeden Fall ein Pionier, und die Tatsache, dass er damit als Folge zum ersten Gangsta Rapper wurde, hat tatsächlich mehr etwas damit zu tun, dass Gewalt, Verbrechen und Promiskuität einfach Teil des Alltags waren, und dass das wahre Problem in dem Moment entstand, als daraus nicht (wie bei Schoolly D) Prahlgeschichten wurden, sondern (wie später ständig) Gewalt bis zum Mord offen verherrlicht wurde.

Tatsächlich sind einige der Tracks auf dieser LP ziemlich simple Übungen darin, mit ein paar Beats aus der Box dem DJ Raum für hübsche Tricks zu geben, und eben Schoolly D seine Geschichten erzählen zu lassen. „We Get Ill“ zum Beispiel lässt wenig hören, das irgendwen groß aufregen könnte. Klar, 1986 war es keineswegs üblich, dass man einfach mal ein „motherfucker“ in die Texte einbaute, aber hey, kein Grund, den Untergang der Kultur des Abendlandes zu befürchten.

Auch „Do It Do It“ ist allenfalls ein bisschen typische Rapper-Macker-Pose, ich habs drauf und du bist ne Null, das kennt man ja. Oder eben ich tu es mit jeder, Hauptsache ordentlich Hintern, ich gebs dir besser als jeder andere, auch das nicht wirklich rasend neu und umstürzlerisch. Dazu der Drumloop, den wir später noch auf „I Know You Got Soul“ hören werden, und ein Haufen Zeug aus Cartoons und Kindersendungen. Tatsächlich ist es vor allem die ungeschönte, locker auf den Beat gelegte Art zu rappen, leicht nasal und mit so einer mir-doch-egal-was-du-denkst-Attitüde vorgetragen, die Schoolly D hier von anderen Rappern unterscheidet.

„Dedication To All B-Boys“ hat natürlich wieder einen mächtig simpel zusammengeschobenen Beat, über den immer mal wieder „Young Girls Are My Weakness“ von den Commodores gelegt wird. Hier wird der moralisch wachsame Bürger schon etwas hellhöriger. Denn hier wird schon mal davon geredet, dass man in der Nachbarschaft immer nen Joint in der Hand hält und ne Knarre dabei hat. Und wer sich in den Weg stellt, wird eben aus dem selben geräumt. Immerhin – es ist ihm da völlig wurscht, welchen Glauben oder welche Hautfarbe der beiseite geräumte hat. Stilistisch ist der Rhythmus seiner Raps hier wieder nah an dem von „P.S.K.“, was den Eindruck frühen Gangsta Raps noch einmal verstärkt.

Und dann gibt’s natürlich jede Menge Geld. „Get’n‘ Paid“ ist extrem wichtig, und natürlich kriegt keiner so viel Schotter wie Schoolly. Und komm nicht auf die Idee, mir die Gage nach dem Gig bezahlen zu wollen, weil ich da ja schon mit all den Bitches rummache, kapiert? Jede Menge Scratches, dicker Hall auf der Bassdrum, fertig ist das Teil. Bumm. Auf „B-Boy Rhyme And Riddle“ wird vor allem ein alter Funk, Inc. Sample verbraten, und zwar gleich mal locker ne halbe Minute lang. Dazu wieder ein paar deftigere Lyrics, inklusive der „Smoke somke kill“ Textzeile, aus der dann der Titel des nächsten Albums wird.

Tatsächlich hat sich bis hierher die Originalität und das Schock-Element in Grenzen gehalten. Im Grunde macht Schoolly D mehr oder weniger das gleiche wie seine Kollegen, nur etwas dreckiger, kruder, chaotischer. Unsaubere Edits, billig abgemischte Drumsounds, das direkt so vom Mikro genommene Rappen – in den Einzelteilen ist das tatsächlich schlampig und fast amateurhaft, als Ganzes dann aber eben doch mächtig mehr als die Summe der Teile.

Das sieht man dann vor allem am Titelstück. „Saturday Night“ war klar der Hit dieses Albums und ist locker zwei Klassen besser als alles andere auf diesem Album. Denn hier wird der ganze LowFi Trip noch mal so richtig schön konsequent ins Extrem getrieben. Fast schäbig daherklöppelnde Drums und Toms und Bells reihen sich zu einem erstaunlich lässig groovenden Beat, dazu gibt es den immer gern benutzten Wild Magnolias Sample aus „Soul Soul Soul“. Bis dahin noch nicht so berauschend, aber dann kommen Schoolly Ds natürlich absolut total wahren Heldengeschichten aus diversen Wochenendnächten. Jede Menge Drogen, ständig Sex natürlich, dann auch mal ein Fehlgriff, verdammt das ist ja ein Kerl, ha ha verrückt die Samstag Nacht, ich sag’s dir.

Schon ulkig, dass das so gut funktioniert. Aber weniger als die Inhalte überzeugt hier die Art, wie die Geschichten erzählt werden. Viel zu cool und durch und durch der nie aus der Ruhe zu bringende B-Boy, als dass man vor irgend etwas Respekt haben müsste. Man zieht sein Ding durch, macht was man will, Drogen, Frauen, Waffen, bei so einem Leben ist schon allein die Erwähnung von so b-boy-weltfremden Worten wie Gesetze und Regeln undenkbar. Und trotzdem sind wir hier noch ganz ganz weit entfernt von „Fuck The Police“.

Völlig aus der Reihe tanzt dann das Abschluss-Stück dieses Albums, „It’s Crack“. Ein Hip-Hop Instrumental, gespickt mit allerhand Samples und Gescratche – vor allem die durchaus interessante Idee, bei solch einem Stück einfach mal das fette Synthesizer-Intro „Threshold“ von Steve Millers „Book Of Dreams“ LP zu verwenden, ist für die ansonsten bewusst krude Produktion ein überraschender Kunstgriff. Manche finden, dass das eins der besten Hip Hop Instrumentals aller Zeiten ist. Kann man ganz sicher auch anderer Meinung sein, aber auf diesem Album ist es eine echte Überraschung.

Schoolly D konnte aus dem frühen Gangsta Rap Ruhm keine sonderlich große Karriere stricken, aber den Respekt seiner Kollegen hat er in jedem Fall. Die Arbeit an diesem Album brachte ihm immerhin die Möglichkeit ein, mit Abel Ferrara zusammenzuarbeiten, einem der bekanntesten Hollywood-Regisseure. „Saturday Night“ ist sicher mehr aus historischer Sicht interessant als dass es großen künstlerischen Wert hat. In der Entwicklung des Rap ist es sicher eines der wichtigsten Alben.

SCHOOLLY D – SATURDAY NIGHT – FLAME/RHYTHM KING – MELT LP2 – 6,5/10

alifarkacooder

Lange vor Kuba

Man hat es ihm ja gegönnt, dem Ry Cooder, als er mit dem Buena Vista Social Club Projekt so richtig großen Erfolg hatte. Im Grunde genommen hat er quasi im Alleingang Kuba auf die Weltkarte der Musik gesetzt und einen über Jahre andauernden Trend ausgelöst. Noch heute touren viele der Musiker des Clubs durch die Welt, und es darf gezweifelt werden, ob sie es täten, wenn Cooder nicht irgendwann in den Flieger nach Havanna gestiegen wäre.

Dabei war das kubanische Projekt längst nicht sein erster Ausflug in fremde Kulturen. Schon 1993 reiste er nach Indien und spielte mit Vishwa Mohan Bhatt das wunderbare Album „A Meeting By The River“ ein, das immerhin im Jahr darauf einen Grammy gewann. The Orb zählen es zu ihren 10 Lieblings-Ambient-Platten (auch wenn man definitiv in Frage stellen kann, ob man die Musik dieses Albums Ambient nennen kann).

Ein Jahr später – und drei Jahre vor Buena Vista – machte sich Cooder auf den Weg nach Mali, um dort die ursprünglichen Wurzeln des Blues zu erkunden, und um dort Ali Farka Touré zu treffen, den bei weitem bekanntesten Musiker des afrikanischen Ur-Blues. Im Gegensatz zum indischen Album war Cooder bei diesem Projekt nicht allein am Start. Neben ihm als Produzent und Gitarrist war auch John Patitucci am Bass dabei, sowie der immer gern mitmischende Jim Keltner am Schlagzeug. Und natürlich brachte auch Touré ein paar große Landsleute mit – insbesondere Hamma Sankare und Oumar Touré.

Dass Cooder auch für dieses Projekt mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, spricht bereits deutlich für das Album. Gründe gibt es mehr als genug. Da ist zum einen das grandiose Zusammenspiel von Cooder und Touré an ihren diversen Saiteninstrumenten – so harmonisch als wären sie bei der Geburt getrennt worden, selbst wenn keiner von beiden seine individuelle Spielweise groß modifiziert. Da ist die wirklich tolle Produktion, deren Wert kaum zu überschätzen ist. Dieses Album ist so gefühlvoll und auch so anspruchsvoll produziert, dass man die wahre Größe der Musik dieses Teils der Welt erst richtig zu schätzen lernt – selbst wenn man die Arbeit von Ali Farka Touré bereits gekannt hat.

Und da sind natürlich die großartigen Kompositionen, jede einzelne ein hinreißend emotionales Erlebnis, eine zauberhafte musikalische Entdeckung. Touré singt – da muss man mal der Dokumentation glauben, wissen werden wir es nicht können – in vier von den elf Sprachen, die er spricht, und er erweist sich als wahrer Bluesmusiker, wenn auch eben nicht auf die John-Lee-Hooker-Art, die wir damit oft verbinden.

Die Themen haben sogar durchaus echtes Blues Potenzial. „Bonde“ zum Beispiel erzählt, warum es besser ist, manche Frauen nicht zu heiraten. Passender Stoff, ohne Frage. Ein guter Auftakt zum Album –  in eher flotterem Tempo wird das Zusammenspiel der Saiteninstrumente etabliert, ebenso wie die meist sehr dezente perkussive Begleitung. Interessant wird schon hier, dass so rein gar keine weltmusikalische Anbiederung zu spüren ist, dass man nicht einmal ansatzweise dieses Gefühl hat, das einem oft bei derartigen Kooperationen beschleicht, das gleiche komische Gefühl, das man hat, wenn im Touristenhotel die einheimische Tanzgruppe eine Aufführung zum Abendessen darbietet. Auch wenn man Cooder deutlich raushört, man spürt deutlich das Echte, Authentische.

Schon beim zweiten Stück, „Soukora“, kommt großes Entzücken auf – schöne, liebevolle Melodien, leichte und warmherzige Darbietung, einfach umwerfend charmante Einlagen an den Gitarren – man spürt förmlich, dass Ry Cooder diese Zusammenarbeit große Freude bereitet haben muss. „Gomni“ führt uns dann schon ein kleines Stück näher an die langsameren, bluesigeren Spielarten der Musik Malis – und zum ersten Mal holt Cooder auch seine E-Gitarre heraus, natürlich mit Slide, herrlich dezent, und doch ungeheuer präsent. Dass so viel elegante elektrisch verstärkte Gitarre so gut zu diesem Sound passt, ist eine schöne Erkenntnis.

Kleine Zwischenspiele gibt es auch auf diesem Album, traditionelle Hochzeitsmusik, die nur mit Conga, Calabash und Njarka, einer afrikanischen Geige, gespielt wird. Bei diesen Stücken halten sich auch die amerikanische Gäste komplett zurück. „Sega“ ist so ein Stück, das für ein paar Minuten einen kleinen Blick in die Musik des Alltags in Mali erlaubt, später dann noch einmal bei „Banga“.

Einer der absoluten Juwelen dieses Albums findet sich gleich nach dem ersten Hochzeitstanz und heißt „Amandrai“. Endlich sind wir ganz ganz tief im Blues angekommen. Cooder eröffnet, mit ungeheuer sanft angespielten Akkorden, Patitucci und Keltner unterstützen sehr sehr zurückhaltend, und Ali Farka Touré zeigt mit Inbrunst, was Blues auf afrikanisch heißt. Cooder spielt ein herrlich gezogenes, minimalistisches Solo, und man hört Touré, wie er ihn auffordert, noch eine weitere Runde zu drehen. Herrlich. Gut neun Minuten dauert dieses begeisternde und rührende Stück, und es könnte doppelt so lang sein, ohne dass sich irgend jemand beschweren würde. Zauberhaft, in jeder einzelnen Sekunde. Auch ohne dass man sich groß mit Blues beschäftigt hätte, wüsste man – das hier ist das Original.

Danach wird das Tempo wieder etwas angezogen, und man hat wieder etwas mehr das Gefühl, in der Nähe dessen gelandet zu sein, was wir heutzutage als afrikanische Musik verstehen. „Lasidan“ lässt drei Gitarren und einen Bass frei durch den Kontinent jammen, dass es eine wahre Freude ist. Wiederum ist die Leichtigkeit und Spielfreude entwaffnend und regelrecht beglückend. „Keito“ zeigt uns im Anschluss eine weitere Rhythmusvariante und auch eine andere Art des Singens, während im Hintergrund fast indisch anmutende Saiten angeschlagen werden.

Und dann „Ai Du“. Wieder so ein unglaublich langsamer, ungeheuer bewegender Ur-Blues. Clarence „Gatemouth“ Brown ergänzt das Ensemble mit seiner Viola, ein großartiger Geniestreich, zumal man fast glaubt, dass es ein Einheimischer sein muss, der das Instrument bedient. Ry Cooder holt seine Mandoline heraus und legt noch eine Art Solo dazu – es sind noch einmal über sieben Minuten, die einen froh sein lassen, dass all diese großartigen Musiker zusammengekommen sind. Man kann es sich kaum vorstellen, dass dieses Album nicht in Afrika entstanden ist, sondern in Los Angeles. Aber klar – in Mali hätte man einen solch perfekten Sound nicht möglich machen können.

Zum schönen Abschluss gibt es mit „Diabary“ noch einmal herrlich verhalten und behutsam eingespielte afrikanische Wehmut, gewürzt mit ein ganz klein wenig Paris, Texas, und sogar einem Hauch Paris, Frankreich. Ein tolles Finale, weil es auch noch einmal die Schönheit der Moldien in den Gesängen zeigt. Was wäre das für ein zauberhafter Kontinent, wenn ganz Afrika wäre wie dieses Album.

RY COODER & ALI FARKA TOURÉ – TALKING TIMBUKTU – WORLD CIRCUIT – WCD 040 – 9,5/10

 

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Ohne Worte

Es ist mal wieder Zeit für ein Outing. Ich gebe es offen zu. Bevor ich dieses Album hörte, wusste ich nicht, wer oder was Alva Noto ist. Jetzt könnte man schimpfen. Mann, du hörst gern Ambient, du findest Arvo Pärt großartig, hast Minimal gern wirklich minimal – das kann doch nicht dein Ernst sein. Aber ja, das war bis dahin ein weißer Fleck auf meiner musikalischen Landkarte.

Aber zum Glück gibt es ja Ryuichi Sakamoto. Was der so gemacht hat, das verfolge ich schon seit er vor Jahrzehnten mal mit Thomas Dolby zusammen so etwas wie einen Hit hatte. „Field Work“, vom 1986er Album „Illustrated Musical Encyclopedia“. Sakamoto liebt Kooperationen mit anderen Musikern, und sie scheinen alle große Freude an der Zusammenarbeit mit ihm zu haben.

Tatsächlich sind die Ergebnisse auch niemals langweilig. Manchmal sehr fordernd, manchmal aber auch von erstaunlicher Schönheit. Alva Noto passt da durchaus gut dazu, wie ich inzwischen weiß. Carsten Nicolai, eine Hälfte des Raster Noton Labels, veröffentlicht vorzugsweise unter diesem Namen. Und wie es für dieses Label Programm ist, sozusagen vollelektronisch, sehr puristisch, minimal, experimentell – dabei aber durchaus noch nah am Rhythmus. Einer der Labelkollegen von Nicolai ist zum Beispiel Atom TM alias Uwe Schmidt, der mit Burnt Friedman als Flanger unterwegs war und als Atom TM seine eher experimentell-elektronische Seite auslebt (im Gegensatz zur eher unterhaltsamen Seite als Senor Coconut).

Die Freude am Experimentieren und am Ausprobieren neuer Formate und Arbeitsweisen in der Musik ist in jedem Fall eine der Gemeinsamkeiten von Nicolai und Sakamoto, die Einbindung von Design in die Arbeit eine zweite. Raster Noton ist nicht nur für seine sehr ausgewählte Labelarbeit bekannt, sondern auch für exzellentes Design der Produkte – so wie eben auch Sakamoto großen Wert auf deren hochwertige Gestaltung legt.

„Insen“ ist nicht die erste gemeinsame Arbeit der beiden – drei Jahre vor dieser 2005 veröffentlichten CD erschien „Vrioon“. Beide Alben unterscheiden sich primär durch die Art der Zusammenarbeit. Während beim ersten Album die beiden Musiker sich die Versionen mehrfach hin und her sandten, um das jeweilige Stück aus dem gegenwärtigen Zustand in einen neuen zu bringen und so quasi Schicht über Schicht anhäuften, war die Methode bei „Insen“ sehr viel einfacher. Sakamoto spielte auf dem Piano einzelne Stücke ein, die dann von Nikolai elektronisch bearbeitet und ergänzt wurden. Zwei Musiker, zwei Arbeitsschritte, ein Album.

Während in der Konsequenz das erste Album noch recht nah am Ambient lag, ist „Insen“ ein gutes Stück minimalistischer. Nicolai lässt sich im ersten Stück „Aurora“ etwas Zeit, bevor er wirklich deutlich spürbar eingreift. Kleine elektronische Effekte, kleinste Hinzufügungen und Veränderungen. Doch dann kommen seine sehr warmen, tiefen Bässe, die im Gegensatz dazu fast kühl wirkenden, und doch nicht kühl eingearbeiteten, extrem klaren Sounds, dann nah und doch verteilt im Stereoraum schwingende volle Bassdrums – es ist interessant, wie einerseits das generös mit Hall belegte Piano Sakamotos viel Raum einnimmt, die Hinzufügungen von Nicolai mindestens ebensoviel Raum erschaffen, und obwohl diese Räumlichkeiten sich nicht zu überschneiden scheinen, entsteht eben doch eine musikalische Einheit.

In „Morning“ wird das Spiel ein wenig umgekehrt – erst ist es Nicolai, der mit fein gesponnener Elektronik den Morgen begrüßt, dann Sakamoto, der mit einzelnen Noten die friedlich stille Ereignislosigkeit des kaum begonnenen Tages beschreibt. Man fühlt fast den Nebel über dem See hinter dem Haus in dem Hauch von Licht, das der aufgehenden Sonne vorweggeschickt wird.

„Logic Moon“ zelebriert einen von Nicolai auf diesem Album gern eingesetzten Effekt – indem er einzelne Töne in schnellen Folgen wiederholt und durch ein elektronisches Einsetzen verfremdet, hört sich ein Teil des Pianospiels von Sakamoto immer mal wieder an, als würde der CD Spieler hängen, aber irgendwie eben auch nicht, weil andere Elemente „fehlerfrei“ darunter und darüber liegen, und weil der Effekt rhythmische Qualitäten hat, und weil er aushallt und wie ein Echo funktioniert. Eine Verfremdungsebene auf einem weiteren Beispiel für Sakamotos entrückend schönes Spiel.

Es gibt erstaunlich viele interessante Variationen des Zusammenspiels. „Moon“ hat sich schnell wiederholende elektronische Sequenzen, die an Kölner Minimal Anfänge erinnern, die von kontemplativen, reflektierenden Piano Akkorden begleitet werden. In „Berlin“ holt Nicolai die tiefsten, wärmsten und voluminösesten Bassdrums (sind das noch Drums?) heraus, deuten einen Rhythmus eher an als dass sie ihn spielen würden. „Iano“ wiederum lässt viel Raum für spannende rhythmische Variationen, begleitet von einem fast an „Music For Airports“ erinnernden Sakamoto.

Am Ende des Albums gibt es dann mit „Avaol“ noch eine knapp dreiminütige Zugabe, die sehr leise Akkorde eines imaginären Instruments zu spielen scheint, federleicht, luftig, feenhaft, flüchtig, wie eine Melodie, die aus unendlicher Ferne zu uns durchdringt.

„Insen“ ist ein wirklich beeindruckendes Resultat einer Kooperation zweier echter Innovatoren, die gleichzeitig große Künstler sind, und sehr deutlich in der Lage sind, die Arbeit des jeweils anderen zu verstehen und etwas hinzuzufügen, das dem Wesen dessen, was der andere erschaffen hat, entspricht. Das Resultat ist Schönheit, die elektronisch zerteilt und neu zusammengefügt wird, wodurch aber der Schönheit kein Schaden zufügt wird, sondern sie in einen anderen Zustand der Schönheit überführt wird. Bei aller Verfremdung, die Nicolai dem, was Sakamoto ihm gibt, hinzufügt, bleibt das Resultat immer eine authentische Variante des Originals.

Das mag sich kompliziert und theoretisch anhören. Aber nur, wenn man es liest. Wenn man es hört, wird es deutlich. Ohne Worte.

ALVA NOTO & RYUICHI SAKAMOTO – INSEN – RASTER-NOTON – R-N 65 – 9/10

bonessnapper

Lecker Schnappfisch

Was musikalische Vielfalt und Erfindungsreichtum angeht, waren die späten 90er eine wirklich großartige Zeit. Überall entstanden neue Kombinationen diverser Stile, stellte man Bands und Studioprojekte zusammen, um neue Ausdrucksformen zu entwickeln, kreativen Kräften freien Lauf zu lassen. Mitten in dieser Welle der Innovation schwamm mit Red Snapper eine der spannendsten Bands, die mit viel Intelligenz und musikalischem Können Jazz und ein wenig Funk und Progressive Rock (später auch gern Alternative genannt) mal mit Hip Hop, mal mit Trip Hop, mal mit psychedelischen Elementen verband – drei Mann mit Kontrabass, bedient von Ali Friend, dem Kopf der Truppe.

Insbesondere live war die zentrale Rolle von Friend deutlich spürbar – und hörbar, denn seine Einsatzfreudigkeit und Dynamik am Bass war so etwas wie das Erkennungszeichen der Band. Dabei wurde der Kontrabass auch gern mal elektronisch vestärkt und verfremdet. Komplettiert wurde die Band vom Gitarristen David Ayers und vom Schlagzeuger Richard Thair. Hin und wieder ergänzten Sänger das Lineup, aber nie als feste Mitglieder der Band.

Nach einigen EPs auf einem kleinen Label war es das große Elektroniklabel Warp, das die drei unter Vertrag nahm. 1996 erschien das erste Album „Prince Blimey“, 1998 schließlich dieses Album. Die Band erspielte sich schnell eine nicht eben riesige, aber dafür um so treuer ergebene Gefolgschaft, die Jahre später auch die Aufslösung nicht so recht hinnehmen wollte – tatsächlich sind Red Snapper nach fünf Jahren Pause 2007 wieder auferstanden. Ihr nächstes Album ist für Herbst 2014 angekündigt.

„Making Bones“ bietet so ziemlich alles, was Red Snapper zu einer so spannenden und ungewöhnlichen Band gemacht hat. Schon im Opener „The Sleepless“ ist alles drin – das präzise und schnörkellose Schlagzeugspiel, der verzerrt wabernde Bass, die oft eher als atmosphärisches Element eingesetzte Gitarre, und hier der Gastrapper MC Det – dessen Stil weit vom damals gängigen Gangsta-Klischee entfernt ist. Dazu ein paar Trompeten-Licks und etwas elektronische Garnitur, so passt die Mischung.

Für „Crease“ wird – ebenso wie ein paar Stücke später bei „The Tunnel“ – das Tempo kräftig angezogen – die Mischung bleibt aber die gleiche. Kräftig treibende Drums, der dynamische Bass mit einer für Red Snapper so typisch eigenwilligen Line, dramatisierende Streicher und ein wenig Elektronik – so ein wenig merkt man, dass man damals Drum & Bass noch für eine interessante Musikrichtung hielt. Beide Stücke zeigen, dass Drummer und Bassist verdammt sind, die Kompositionen sind dagegen etwas mager. Noch ein Stück später wird für „Like A Moving Truck“ dieser Mischung noch ein klein wenig Jazz und MC Det hinzugefügt – es hilft, aber nur bedingt.

Im Gegensatz dazu bringt „Image Of You“ ein wenig Drama und Dringlichkeit, vornehmlich durch einen generösen Satz Streicher und die Gastsängerin Alison David. Die etwas manierierte Art der Sängerin, die dabei etwas nah an Neneh Cherry in „7 Seconds“ liegt, hilft nicht wirklich – es wirkt so ein bisschen als wollte man einen Hit produzieren und wäre dabei ein wenig zu sehr in den Mittneunzigern kleben geblieben.

Gut, dass man sich dann wieder auf die eigentlichen Stärken besinnt. „Bogeyman“ swingt dank schaffeligem Drumbeat, klug gesetzter Bassline, einfacher Rhythmusgitarre und elektronischer Samples. Dazu ein paar Bläser, die ein wenig überdrehten Blues beisteuern. Das ist launig und wieder einmal originell – man kann sich gut vorstellen, wie so etwas vor allem live gut funktioniert.

Interessanterweise hat dieses Album seinen größten Moment bei einem Stück, das weniger auf Druck durch Drums und Kreativität am Bass setzt, sondern ganz auf Atmosphäre und Emotionalität aufbaut – „Spitalfields“. Ein einfaches Thema auf der Akustikgitarre, ein paar klug gesetzte Bläser, schön betontes und nah abgemischte Drums, ein paar Celli – im Nu sieht man generös und begeistert darüber hinweg, dass manche der bisher gehörten Stücke nicht wirklich zu überzeugen wussten. Clever arrangiert, spannend aufgebaut, mit viel Wirkung eingespielt – das ist so ein Stück, für das es sich ein ganzes Album zu kaufen lohnt.

Ja, auch dann, wenn Alison David für „Seeing Red“ in etwas dräuender Soundatmosphäre wieder etwas betont dringlich singen kommt – ich zumindest komme mit diesem Gesangsstil nicht so wirklich zurecht, und ich wette, dass dieses Stück instrumental weit spannender wäre als so. Sie hat einfach nicht die gleiche Klasse wie die Band – auch dann nicht, wenn man allerhand Effekte auf ihre Vokalbeiträge legt. Das fällt erst recht auf, wenn gleich darauf  bei „Suckerpunch“ wieder MC Det zu Gast ist, der schon allein deswegen die Band besser ergänzt, weil sein Stil der Rhythmik der Musiker angeglichen ist – wo Frau David primär kieksend klagt, kann Herr Det der Mischung sogar noch etwas zusätzliche Dynamik hinzufügen.

Der Abschluss des Albums, die „4 Dead Monks“, verändert das Gesamturteil nicht mehr wirklich – es mischt die etablierten Elemente neu ab und zeigt die Vorzüge der Band deutlich, ohne große Aha-Erlebnisse zu erzielen. Ich weiß durchaus noch, dass ich damals, als ich das Album erstand, genau wie heute dachte – okay, da gibt es ein paar richtig gute Momente, und ein wirklich großartiges Stück – aber eben auch einiges, das ich nicht oft hören muss. Trotzdem. Schon wegen der theoretischen Möglichkeit, dass ich einmal einen Abend erwische, an dem „Spitalfields“ gespielt werden kann, hab ich es oft mit in der Kiste. Man weiß ja nie.

RED SNAPPER – MAKING BONES – WARP – WARP LP 56 – 7/10

 

Time Out of Mind

Besserbossa

Ich würde es ihm ja gönnen, dem Troubleman. Eine von seinen fettesten Nummern wird auf irgend ner Radiostation rauf und runter gedudelt, die Menschen hören hin, kriegen dann nicht genug, kaufen wie blöd das Album, merken, dass da noch richtig viel mehr von drauf ist, eine Welle der Begeisterung schwappt von Kontinent zu Kontinent, Waffen werden zu Schallplatten, Troubleman for president, blanker Wahnsinn! Aber nein. Mark Pritchard – ausnahmsweise kennt man den Namen des Protagonisten sogar eher als den dieses Projekts – bastelt eine formidable Tanznummer nach der anderen, und nur eine wissende Teilhörerschaft weiß es zu schätzen.

Wobei – man muss sich jetzt nicht um den guten Mark irgend welche Sorgen machen. So rasend klein ist der Kreis der Kenner jetzt auch nicht, und er hat mit anderen Projekten auch schon ganz respektable Erfolge gefeiert. Mit Tom Middleton als Partner zum Beispiel – und das ist ja auch nicht eben ein Unbekannter – hatte er gleich zwei recht erfolgreiche Projekte laufen, die Jedi Knights und Global Communication. Darüber hinaus hat er sich als erstklassiger Remixer einen Namen gemacht, der zwar nur selten in Erscheinung tritt, dann aber bei Kennern wie Bonobo oder Azymuth.

Sein Studioalbum „Time Out Of Mind“ erschien auf Far Out, und das sagt auch gleich alles darüber aus, wie das Troubleman Projekt musikalisch ausgerichtet war, nämlich ganz klar brasilianisch. Schon einige seiner davor veröffentlichten 12″es (vor allem das exzellente „Change Is What We Need“) hatten gezeigt, wie genau Pritchard es dabei nahm, denn bei aller Hilfe der Elektronik und bei aller Freude daran, die südamerikanischen Beats auch mal zu Broken Beats zu machen, war er in der Zubereitung für die Tanzflächen noch deutlich authentischer unterwegs als beispielsweise einige Jahre später Zero dB.

Interessant ist, dass dieses Album in dieser Hinsicht eine Weiterentwicklung zeigt, denn in den Uptempo Nummern geht es hier deutlich elektronischer zu als zuvor, und im Bezug auf die Broken Beats zum Teil auch noch deutlich vertrackter. Das überraschende ist aber vielmehr, dass einige der gelungensten Titel auf „Time Out Of Mind“ gar nicht die gewohnten Uptempo-Nummern sind, sondern die eigentlich so nicht zu erwartenden Lounge Exkursionen. Vier richtig elegante Tracks, bei denen auch mal ein klein wenig R&B durchschimmert (auch das ist neu), sämtlichst mit hervorragenden Gastsängern am Mikrofon – das hätte man nicht gedacht.

Aber erst mal zur Abteilung Tanzfläche. „Have A Good Time“ sagt uns Pritchard gleich zu Beginn des Albums – baut einen seiner typischen broken brazilian beats auf (anders lässt sich das kaum beschreiben), lässt das Rhodes ein paar Akkorde einstreuen, einen Bass im Hintergrund hüpfen und garniert mit einiger Elektronik und dezenten Vokal-Samples. Das ist noch im nett groovenden Bereich, variiert gekonnt die Elemente und spiel ein wenig mit Effekten, bis dann gegen Mitte ein klein wenig Holz nachgelegt wird. Geschmackvoller Auftakt.

Beim Titelstück hingegen wird richtig Vollgas gegeben. Richtig sattes Tempo, kompromisslos, fast rücksichtslos vertrackte Beats, die nur noch bedingt ihre lateinamerikanischen Wurzeln zeigen – da wird geschoben, was das Zeug hält. Ich habe da ja große Sympathien für, muss ich sagen, gebe aber auch zu, dass es mir nur selten gelungen ist, diese Nummer auf einer Tanzfläche zum Einsatz zu bringen – so feist ist die Nummer, dass es nur klappen kann, wenn die Hütte eh schon lichterloh brennt. Aber dann… Hach, das wärs mal.

Etwas weniger radikal, dafür auch wieder etwas traditioneller, geht es bei „Toda Hora“ zu, freilich wieder mit verschachtelten Beats, die einerseits erfreuen, andererseits aber ein etwas simpleres Tanzpublikum auch zur Verzweiflung bringen können, vor allem im Instrumentalteil, in dem dann Synth Bläser den vertrackten Beat dann noch mal kontrastieren. Der Pritchard ist ein verdammt guter Produzent, auch wenn er manchmal ein klein wenig viel verlangt. Hier wird, das wollen wir nicht vergessen, auch fröhlich gesungen, von Nina Miranda, der Sängerin von Smoke City, ihr wisst schon, „Underwater Love“ und so.

Nun aber zu den gemächlicheren Geschwindigkeiten, und zum „Righteous Path“. Bass und Schlagzeug könnten glatt von einer Tru Thoughts Prouktion stammen, Nostalgia 77 in ihrer Anfangsphase. Dazu legt Pritchard ein feines Xylophon Thema, ein paar synthetische Querflöten und einen Männerchor. In seinen Grundelementen ist das kein allzu komplexes oder variantenreiches Stück Musik, aber es ist schon verdammt cool.

Erwähnenswert noch, dass es zu diesem Stück ein „Prelude To The Righteous Path“ gibt, in der Eska ein knapp halbminütiges Gastspiel gibt – zu kurz natürlich, darum erhält sie bei „Roll On“ die Gelegenheit, ihre Qualitäten als Sängerin noch einmal voll zur Geltung zu bringen. Auf voluminöser Synth Unterlage und durchaus R&B naher Rhythmik lässt Pritchard wieder viele seiner wirklich edlen Xylophon-nahen Synths und E-Pianos wirken, vor allem kurz vor Ende des Stücks.

Noch ein weiterer illustrer Gast ist vertreten: Steve Spacek. Nicht eben eine logische Wahl, vor dem Hintergrund der stark südamerikanisch geprägten Vorliebe Pritchards, aber es passt richtig gut. Er croont sich fast schon durch das von verzerrten Streichern untermalte „Without You“ und fügt dem überraschend vielseitigen Album noch eine weitere Facette hinzu.

Eine weitere gute Wahl für die Barbeschallung ist zweifellos „Lonely Girl“ – das hätte so auch von der Thievery Corporation abgeliefert werden können. Das feinste Stück Musik ist aber der zweite Auftritt von Nina Miranda in „Paz“, auch wenn man argumentieren könnte, dass der Titel nicht eben sonderlich innovativ oder überraschend ist – ein hübsches, fast liebliches und fein eingespieltes Stück Samba. Aber egal. So fein und verführerisch, wie es daher kommt, mit Samt und Seide, da kann man sich nicht wehren. Ist immer in meiner Tasche, wenn es in die Bar geht zum Auflegen.

Der Trouble mit dem Troubleman ist, dass dieses Album neben der durchaus großen Würdigung der Fachpresse einen noch größeren kommerziellen Erfolg verdient hätte. Aber wie gesagt, Pritchard ist auch so gut im Geschäft. Ein guter. Und eine gute Platte, durchweg.

(Anmerkung: Auf der CD Version dieses Albums sind noch ein paar mehr Titel zu finden, unter anderem auch das oben erwähnte „Change Is What We Need“. Ich habe mich natürlich auf die Vinyl Version gestürzt. Die Rezension ist insofern nicht lückenhaft 😉 )

TROUBLEMAN – TIME OUT OF MIND – FAR OUT – FARO 085DLP – 7,5/10

 

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Angekommen

Es ist keine wirklich sonderlich neue oder überraschende Geschichte – eine talentierte schöne junge Sängerin aus London erarbeitet sich die Chance, als Gastsängerin bei bekannten Musikern aufzutreten, macht einen guten Job, erarbeitet eigenes Material, wird vom Künstler, für den sie sang, produziert, ergattert einen Plattenvertrag und präsentiert ihr erstes Album. Tausend mal erlebt, und ab und zu kam auch mal etwas spannendes dabei heraus.

Bei Andreya Triana stehen die Vorzeichen von vornherein gut. Zum einen ist ihre Stimme, die wohl am ehesten in der Nähe von Macy Gray einzuordnen sein dürfte, durchaus das Potenzial hat, aus dem täglichen Geträller herauszuragen, zum anderen ist der Musiker, der sie einst engagierte und nun produziert, kein geringerer als Simon Green, der als Bonobo bekannt ist und als Produzent ein sehr hohes Ansehen genießt.

Dass Bonobo sich der Frau Triana annimmt, ist insofern eher ungewöhnlich als dass er bisher mehr oder weniger ausschließlich sich selbst produziert hat. Er scheint viel von Andreya Triana zu halten. Ihre Gastauftritte auf Bonobos „Black Sands“ Album passten sehr gut ins Konzept und brachten auch Bonobo ein Stück weiter, der auf seinen ersten Alben komplett auf Vokalakrobatik verzichtete und sich eben mit Unterstützung so fähiger Sängerinnen wie Andreya Triana an die Integration von Gesang in seinen Stücken herantastete.

Gleichzeitig muss man natürlich auch fürchten, dass die Wahl des Produzenten nicht eben förderlich ist, eben gerade weil man Andreya Triana primär als Gast auf Bonobos Alben kennt. Hört sich ihr Erstling zu sehr nach dem an, was man auch von Simon Green erwartet, bleibt Andreya Triana selbst auf ihrem Debüt Album ein Gast.

Aber zumindest diese Befürchtung erfüllt sich nicht. Sicher auch genau aus diesem Grund ist die Produktion auf „Lost Where I Belong“ ungewöhnlich dezent, geradezu spärlich, nimmt sich das instrumentale Beiwerk sehr zurück und lässt dem Gesang sehr viel Raum. Klar, die Auswahl der Klänge und der Instrumente, das Zusammenwirken der einzelnen Elemente zeigt deutlich, dass hier ein großer Stilist am Werk war, aber es ist beileibe nicht so, dass man in das Album rein hört und dann gleich „Ah! Bonobo!“ ruft. Insofern ist das Experiment zumindest schon mal für Simon Green als geglückt zu bezeichnen.

„Draw The Stars“, das erste Stück, ist in Sachen Instrumentierung ein gutes Beispiel. Ein bisschen Glockenspiel und xylophonartige Klänge sind so gut wie die einzigen percussiven Elemente, dazu ein paar schöne Streicher und ein eleganter Bass – das ist alles, was Andreya Triana braucht. Das darauf folgende Titelstück wartet mit sehr entspannt groovendem, trockenem Schlagzeugspiel auf, fast im Acapella-Sound rutschen die Finger über die akustische Gitarre, während der Bass sich dezent im Hintergrund aufhält. Nett. Und das ist durchaus als Kompliment gemeint, zeigt es doch, dass Andreya Triana eine wirklich gute Sängerin ist.

Bereits vor der Veröffentlichung des Albums war „A Town Called Obsolete“ ausgekoppelt worden. Auch hier sind die Drums sehr trocken und natürlich, und im leicht eigenwilligen Snare Einsatz ein klein wenig bonoboesk. Die Verwendung von Bläsern und das deutlich soulige Ambiente hingegen kennt man so von Simon Green nicht. Interessant insofern als dass man tatsächlich sagen könnte, dass er sich als Produzent von britischem Soul durchaus sehen lassen kann.

Hin und wieder hebt sich die Stimmung auf diesem Album auch durch einen Hauch von Düsterkeit von der doch sehr optimistischen Klang- und Produktionswelt der Bonobo Alben ab. „Darker Than Blue“ klingt dann vom Titel aber doch etwas dunkler als das Stück selbst, das in einigen Momenten leicht an bessere Patrick Watson Produktionen erinnert. Ähnliches gilt für das darauf folgende „Daydreamers“, bei dem mehr als nur ein Hauch Trip Hop zu spüren ist, vielleicht sogar ein bisschen Portishead.

In der Folge kommt „Far Closer“ mit deutlichen Motown-Anleihen daher, wenn auch mit etwas gebremstem Schaum – hier würde man sich von Andreya Triana doch mehr Druck und Leidenschaft wünschen. So sehr die stillen Momente dieses Stücks zu ihr passen, so sehr fällt in den durckvolleren Passagen auf, dass sie wirkt, als ließe sie nicht alles raus. Das ist dann doch eher London als Motown. „Something In The Silence“ swingt sich so ein wenig gefällig-unauffällig durch die Lounge, bleibt einfach nicht hängen, und „Up In Fire“ hat einen leicht Funk-getränkten Jazz-Duft, der letztlich dann aber auch nicht sehr viel mehr als eine hübsche Idee bleibt.

Gut, dass dann noch „X“ kommt, das einem wieder zeigt, was an diesem Album wirklich geglückt ist – die behutsame Produktion stimmungsvoller Downtempoeleganz, gepaart mit einer Stimme, die genau für diese Art Musik geeignet ist. Letztlich hat man das Gefühl, dass das Album hier und da möglicherweise doch ein wenig mehr vom Bonobo Stil hätte vertragen können. Bei einem Bonobo Album bleibt immer etwas positives in einem zurück, man nimmt etwas mit. „Lost Where I Belong“ ist ein feines Album einer guten Sängerin – wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt es aber nicht.

ANDREYA TRIANA – LOST WHERE I BELONG – NINJA TUNE – ZENCD155 – 6/10

 

rksflp

Röyksflop

Manchmal kommt da eine Platte an, die mag ich einfach nicht. Ich hol sie aus der Pappe raus, leg sie auf den Plattenteller, und hör mal durch. Wie im Laden fast, nur ohne Kopfhörer. Überall mal ne halbe Minute lang die Nadel reinhalten und gucken, wie der erste Eindruck so ausfällt. Ganz selten mal kommt dann die Ernüchterung. Weils nichtssagend ist, oder weils bemüht ist, einfallslos, oder sonstwie nicht mit mir kompatibel.

Das finde ich dann ziemlich irritierend. Entweder weil ich mich dann wohl beim Vorhören ziemlich geirrt haben muss, oder weil ich vorher gar nix gehört habe und dann das, was ich bekomme, so rein gar nicht dem entspricht, was ich erhofft hatte.

In beiden Fällen doof. Aber ich hab ja auch gelernt, vorsichtig zu sein, nicht zu schnell zu urteilen, das Urteil zu hinterfragen. Nur zu gut erinnere ich mich an den Tag, als Anja da war und ich ihr ein paar Platten vorstellte und dann, als ich sagte, und die hier ist richtig blöd, über die hab ich mich geärgert, und als ich sie dann auflegte, da musste ich feststellen, dass sie gar nicht so blöd ist, sondern eigentlich zugegebenermaßen ziemlich gut.

Werd ich nie vergessen. MC 900 ft Jesus wars, das letzte Album, und ich werd nie kapieren, warum ich das nicht gleich bemerkt hab, wie toll das Ding ist.

Und ich erinnere mich auch noch gut daran, dass ich dereinst die DJ Kicks vom Trüby ziemlich verrissen habe, ich vermute mal wegen der peinlichen Haartracht und der klischeetriefenden Coverfotografie. Heute liegt sie immer noch ab und zu in meiner Plattenkiste, wenn ich freitags auflegen gehe. Da hab ich ein richtig schlechtes Gewissen (auch wenn ich weiß, dass meine Plattenkritik nichts angerichtet haben dürfte).

Andererseits hab ich ja auch das eine oder andere Album im Affekt bejubelt, von dem ich dann Wochen später feststellen musste, dass der Jubel unberechtigt war. Das letzte James Hardway Album zum Beispiel. Hoffentlich hat das keiner auf mein Anraten hin gekauft und denkt sich nun, dass ich ja nun rein gar keinen Geschmack habe oder so.

Also gleicht sich das alles irgendwie aus, wie bei den Fehlentscheidungen beim Fußball zum Beispiel. Da fliegt ja auch schon mal der Falsche vom Platz.

Also Vorsicht beim Verriss. So hab ich auch die neue Röyksopp (nervig: ich muss mich immer wieder vergewissern, dass ich das ö an die richtige Stelle setze) nach der ersten großen Enttäuschung erst einmal zur Seite gelegt. Könnte ja sein, dass ich nur nen schlechten Tag hatte. Oder eben dass mich das mit dem Ö ärgert. Scheiß Name, nun wirklich. Aber das tut ja nichts zur Sache.

Heute hab ich mir vorgenommen, das Album wieder aus der Ecke zu kramen und mit ein wenig Abstand neu zu betrachten. Schön alle vier Seiten, ein Stück nach dem anderen. Ich hab auch extra für ein positives Ambiente gesorgt, mit lecker dampfendem Milchkaffee, ein paar Häppchen, sogar die Heizung läuft, draußen ist es schon ganz schön röyksopp.

Also los. Am Anfang steht der Hit. „Only This Moment“. Wenn ich jetzt sage, dass das Popmusik ist, dann schrecke ich schon fast wieder zurück, weil man das ja auch als eine Art Beleidigung auffassen könnte. Ich erinnere mich an die vielen Show-Auftritte der beiden Röyksköppe, die immer als so energetisch bezeichnet werden, weil sie da so wild an ihren Tasteninstrumenten herumhüpfen. Das ist wieder so ein Ding, bei dem sie munter hüpfen können, poppig, radiotauglich, nicht wirklich peinlich, schnell konsumiert, fast wie beim ersten Album.

Also eigentlich noch kein Grund zur Beunruhigung. Auch beim zweiten Stück, „49 Percent“, kommt noch keine allzu große Sorge auf. Ganz wenig Schlagzeug, dafür um so mehr Gesang und Streicher und ne hüpfende Bass Line. Nicht unoriginell eigentlich. Und doch denkt man die ganze Zeit, gleich gehts los, gleich hauen sie so richtig rein. Doch dann ist nach gut fünf Minuten Intro das Stück vorbei. Da haben sie ne echte Chance vergeben.

Dann die drei. „Beautiful Day Without You“. Entspanntes Tempo, einfache Synthimelodien, weichgespülte Gesänge, und zum ersten Mal ärgere ich mich ein wenig, dieses schleimige Gefühl von jetzt sollen wir alle mal ne Runde träumen kommt hoch, oder noch schlimmer, die Erkenntnis, dass derartig banale Melodien und Rhythmusstrukturen eigentlich nur ein paar Harmoniewechsel von Modern Talking entfernt liegen. Da kann ich wohlwollend sein wie ich will, das ist einfach peinlich.

So. Nächste Seite. „What Else Is There?“ heißt das nächste Stück. Besser hätte ich meine momentane Stimmung auch nicht betiteln können. Es singt: Karin Dreijer. Man sagt, sie sei in Röyksopps Heimat Norwegen durchaus bekannt, wir können allenfalls feststellen, dass sie eine ungewöhnliche Stimme hat, die ganz gut ins träumelnde Songkonzept passt. Wieder viele Streicher, viel Raum, und die getragene Stimmung eines Liedes, von dem wir dann sagen sollen, es sei inspirierend oder uplifting oder so.

Luft holen, am Kaffee nippen, beruhigen, das wird sonst unfair.

Lassen wir uns auf das fünfte Stück ein: „Follow My Ruin“. Rockiger Schlagzeugsound, flottes Tempo, Discoeffekte. Man kann sich fragen, warum man dazu so einen Eunuchengesang braucht. Oder warum man so dünne Synthesizer Lines so weit nach vorne mischt.

Das ist wohl der deutlichste Unterschied zum ersten Album – es wirft ständig Fragen auf, was soll das, was soll mir das sagen, es ist als ob einer was ganz wichtiges sagen will und einfach nicht auf den Punkt kommt.

Seite 3. „Circuit Breaker“. Mal wieder was flottes. Schließlich braucht man ja auch was für die Bühne zum Anheizen, einen Nachfolger für „Poor Leno“. Das ist so ein Stück, bei dem man zwischendurch mal wieder sagen kann, ja, nett. Ein ordentliches Albumstück, das eigentlich nicht zu den Highlights zählen sollte, was es in diesem schon jetzt nicht wirklich begeisternden Album aber zweifellos tut.

„Sombre Detune“ folgt. Leicht sperrige Elektromelodie mit passenden Elektrodrums und schrägem Synthiteppich. Damit es nicht zu unharmonisch wird, angereichert durch ein paar hübsche Flächensounds. Mehr kann man zu diesem Titel eigentlich nicht sagen. Füllmaterial.

Weiter. „Someone Like Me“ folgt, und ich habe Probleme, mein Frühstück bei mir zu behalten. Jetzt rächt es sich spätestens, dass man dieses Mal auf die gesangliche Unterstützung von Erlend Oye verzichtet hat. Der kann auch nicht so toll singen, tut das aber mit Herz. Und das auf diesem Titel wirklich kaum erträgliche Gesäusel an billigem Mitklatschrhythmus ist so weit vom Charme eines Herrn Oye entfernt wie die Pet Shop Boys von New Order. Ich möchte nicht wissen, was ich geschrieben hätte, wenn ich die Platte sofort nach Erhalten besprochen hätte.

Aber jetzt in den Endspurt, vierte Seite, es muss doch was zu loben sein. „Triumphant“, der nächste Titel, ist es wohl nicht. Am Anfang eine Klavieretüde, dann eine Art Wienerwalzerbeat mit Elektroanreicherung und Glockenspiel. Wieder die Frage, was das soll – haben wir uns hier von klassischer Musik inspirieren lassen? Dann noch ein dickerer Beat, man haut mächtig auf die Becken, lässt ordentlich die digitalen Chöre johlen und die Synthis quäken. Immerhin, das ist durchaus konsequent und findet auch ein passendes Ende. Respektabel.

Danach geht es mit „Alpha Male“ wieder knackiger zu, wenn auch nicht ohne synthetische Traumsequenz im Intro, das fast ein Drittel der Spielzeit einnimmt. Danach wird wieder ein sehr gerader Beat geklopft, auf dem sich prächtig der gern praktizierte Harmoniewechsel üben lässt. Dynamisch, doch doch. Reicht das für die Tanzfläche? Man darf es bezweifeln. Vielleicht eher in Ausschnitten für Vertonungen im Fernsehen. Das ist ja auch schon mal was, und mit gut acht Minuten gibt es auch mehr als genug Futter.

Vorletztes Stück. „Dead To The World“. An das erinnere ich mich noch. Das war schon beim ersten Hören mein Favorit. Ein luftiges Stück ambientöser Unterhaltung, das zwar ein wenig sehr an Brian Enos Apollo Soundtrack erinnert („Deep Blue Day“ war hier sicher das Vorbild), aber zumindest in seiner Entrücktheit so etwas wie Schönheit in sich trägt und sich selbst durch die kurzen Gesangssequenzen nicht stören lässt.

Wie leicht ich doch zu versöhnen bin. Wenn auch nur für ein paar Minuten, denn leider ist es nicht das letzte Stück auf diesem Album. Als hätten sie gedacht, sie müssten noch einen drauflegen (und das ist ja nur selten eine gute Idee), schieben die Herren noch ein kurzes Stück elektronisch adaptierter Klassik hinterher. Nicht wirklich ärgerlich, aber wenn dieses Album etwas nicht brauchte, dann sind das eineinhalb Minuten Möchtegernbeethoven. Das hätte nur dann Sinn gehabt, wenn es noch mehr davon gegeben hätte, wenn da ein Konzept erkennbar gewesen wäre. So ist es ein einsamer Epilog ohne Bezug zu den übrigen Stücken des Albums.

So. Das wars. Ich vermute, dass ich dieses Album nicht noch einmal in Gänze hören werde. Vielleicht mache ich mir mal den Spaß und probiere, wie sich „Dead To The World“ und „Deep Blue Day“ in einem Ambient Set nebeneinander anhören. Aber für mehr wird es wohl nicht reichen.

Urteil bestätigt, laues Album. Lauter unverständliche Botschaften, lauter unklare Appelle, ein Album, das so bedeutungslos ist wie das pseudoneosurreale Cover. Ab ins Regal. Ungenügend.

RÖYKSOPP – THE UNDERSTANDING – Virgin/Labels/Wall of Sound – WALL LP 035 – 2/10