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Zitatespaß für Cineasten

Beim Stöbern im Regal – ich wollte heute mal etwas aus dem hinteren Bereich des Archivs auswählen – stieß ich auf diese EP von Barry Adamson, die ich vermutlich einst wie so viele andere gute Stücke im Number Two in Frankfurt-Sachsenhausen erstand. Dabei fiel mir wieder auf, dass mir der Barry immer so ein wenig am Rande des Radars entfleucht ist – wann immer mir was von ihm in die Hände fiel, fand ich es interessant, aber dann doch nicht so sehr, dass ich länger dran hängen blieb.

Dabei hat der Mann eine wirklich bemerkenswerte Geschichte. Früh schon in der Punk Ära aktiv gewesen, damals Mitgründer von Magazine, dann schwer am New Wave Projekt Visage beteiligt, später auf immerhin vier Alben Mitglied von Nick Caves Bad Seeds, schließlich solo unterwegs, auf Mute, sowie als Schreiber von Soundtracks. Auf seine Kappe gehen unter anderem die Soundtracks von Natural Born Killers, Lost Highway und The Beach.

Auf dieser EP sind fünf Stücke aus drei Adamson Alben zu finden, die – der Titel und die Historie des Künstlers lassen es erahnen – alle irgendwie mit Filmen zu tun haben. Allerdings auf unterschiedliche Weise, und das ist das reizvolle daran. Denn es ist keineswegs so, dass die Titel aus Adamson-Soundtracks entstammen.

So ist „The Man With The Golden Arm“ ein Stück von Adamsons „Moss Side Story“. Das Album ist ein fiktives Soundtrack – also als solches angelegt und komponiert, nur gibt es gar keinen Film dazu. Um den Salto rückwärts komplett zu machen: Dieser Titel gehört zu den drei Bonus Tracks, die damals der CD Ausgabe hinzugelegt wurden, und stammt nicht von Barry Adamson. Es ist das Cover einer Nummer von Elmer Bernstein aus dem gleichnamigen Film von 1955. Eine opulent orchestrierte Burlesque Nummer, wie zum Strip geschrieben, dezent mit elektronischen Elementen angereichert.

Woher „007 – A Fantasy Bond Theme (Dance Version)“ stammt, dürfte nicht weiter schwer zu entschlüsseln sein. Ich mochte die Adamson-Version schon sehr gern – sie ist auf seinem „Soul Murder“ Album zu finden. Das schöne daran ist, dass die Bond-Titelmusik als lupenreiner Reggae angelegt ist, und James Bond ein kleiner Junge aus Kingston ist. Wirklich liebevoll gemacht. Als ich diesen Titel auf dieser EP sah, muss meine Sorgfalt schwer ausgesetzt haben, vor lauter Freude. Ich übersah den Zusatz „Dance Version“. Tatsächlich wurde die auf dieser EP zu findende Version von Ivor Wimborne und Atticus Ross tanzbar gemacht. Letzteren findet man heute im Umfeld von Trent Reznor, damals war er noch Mitglied von Bomb The Bass. Der Remix? Für damalige Verhältnisse sicher nicht schlecht – aber in Anbetracht des Originals unsinnig.

Die übrigen drei Stücke stammen von „The Negro Inside Me“, seinem 1993er Soloalbum, auf dem er sich sogar erlaubte, „Je t’aime (moi non plus)“ zu covern. „The Snowball Effect“ ist eine aus heutiger Sicht wilde Mischung aus übereifrigem 90er Dancefloor, Hip Hop Elementen, einem Anrufbeantwortermitschnitt einer PR-Frau, und ein paar Soli auf Flöte und Schweineorgel.

„Busted (The Michaelangelo Version)“ ist so etwas wie eine salonfähig gemachte Collage diverser Hip Hop Standards, mit allerhand Soundfiles aufgemotzt, da rauscht schon mal die Polizei durch den Mix, während die Bläser so ein wenig Dragnet-Atmosphäre aufkommen lassen. Ordentlich Schlagzeug, dicke Synth Bässe, Orgeln, Spielhallensounds – produktionstechnisch war damals mehr eindeutig mehr, das Ding platzt fast aus den Nähten. Phasenweise recht funky für eine Zitatesammlung.

Zum Ende dann noch „Dead Heat“ – mit schwerem, schleppendem Beat, drohenden Synth Bläsern und Crime Thematik. Auch für dieses Stück bräuchte es ein recht intensives 90er Revival – die Synthesizer hören sich ziemlich nach Plastik an, und die generös mit Raum versehene Abmischung wirkt heute arg dick und künstlich. Um die Fähigkeiten von Barry Adamson als Arrangeur und Komponist richtig zur Geltung zu bringen, brauchte es noch ein wenig Zeit.

Nach fünf Stücken weiß ich, warum Barry Adamson mir nur bedingt in Erinnerung blieb (eben mit dem Original des Fantasy Bond Themes), und warum diese EP weiter hinten im Archiv stand. Vielleicht kann sich noch ein Adamson Fan die Sammlung erweitern, viel mehr geht da nicht. Vermutlich auch mit 90er Revival nicht.

BARRY ADAMSON – MOVIEOLOGY – MUTE – 12MUTE183 – 5/10

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