kingkoothrone

Ein Kessel Buntes im Thronsaal

Reichlich bevölkert war die Downbeat Schrägstrich Electronica Schrägstrich Lounge et cetera Landschaft um die Jahrtausendwende. Viele interessante Projekte mit spannenden Ansätzen. Den meisten mangelte es aber am Konzept oder an der Qualität, um ein klein wenig Rampenlicht zu ergattern. King Kooba zum Beispiel, auch wenn man durchaus der Meinung sein darf, dass es an Format und Qualität nicht gelegen haben dürfte, sondern vielleicht eher am Konzept. Oder daran, dass es schwer war, eins zu finden.

Auf diesem Doppelalbum beispielsweise gibt es viel Hörenswertes. Die stilistische Bandbreite ist beachtenswert, man hat sich mit der Produktion viel Mühe gegeben, und es gibt einige Stücke, die auch bei mehrmaligem Hören noch überzeugen. „Enter The Throne Room“ hat diverse Male den Weg in meine DJ Tasche gefunden, und sie wurde dann auch tatsächlich eingesetzt.

Beispielsweise die „California Suite“ – ein echter Killer für den eleganten Abend in der Bar oder Lounge. Schwer entspannter Beat, fein gesetzte Streicher, ein Acapella von Esther Phillips, das perfekt auf dem Track liegt – das kann man ernsthaft nicht viel besser machen. Oder „Koobesq“. Das ist nicht weit von der Thievery Corporation entfernt, und die Sängerin Melissa Heathcote macht ihren Job durchaus ordentlich. Man könnte allenfalls beklagen, dass man das ganze etwas straffer hätte arrangieren können.

Auch „Single Malt“ hat durchaus Stärken. Viel Raum für die Synth Streicher, effektvoller Einsatz der Snare, ein Stück, das sich ein wenig wie Drum’n’Bass anhört, aber in der Lounge bleibt. Vielleicht beschränkt man sich hier ein wenig zu sehr darauf, Coolness zu vertonen, aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das ja größtenteils auch der Auftrag der Musik in diesem Genre.

Die stilistische Bandbreite wird in „Spectra In C Minor“ noch ein wenig erweitert. Hohes Tempo bei weiterhin entspannter Grundstimmung, eine einfache, aber effektvolle Bass Line, ein feiner Drum Beat, der das Tempo sowohl unterstützt als auch kaschiert – das hätte durchaus so auch von Red Snapper sein können, und das ist ganz sicher so etwas wie ein Kompliment.

Wäre „Enter The Throne Room“ keine Doppel-LP, es wäre eine wirklich runde Sache. Wäre. Denn auf Seite 3 fängt es an, kompliziert zu werden. Mit „Terminal X“, einer Mischung aus Jazz Elementen und verhaltenem Drum’n’Bass, in etwas düsterer Atmosphäre. Schlagzeug und Bass sind sicher gekonnt eingespielt, und man merkt, dass King Kooba viel als Band tourt und eben nicht als blankes Studioprojekt im virtuellen Raum entstand – live ist das sicher spannend, auf dieser LP wirkt es wie eine Übung, oder ein Tool, wie man heute sagen würde.

Die „Pugwash Beats“ führen uns in abstrakte Hip Hop Sphären, und so langsam wird deutlich, wo die Schwäche dieses Projekts liegt – es wird mit fast jedem Stück etwas neues aufgemacht, und statt dass man King Kooba am Ende für facettenreich hält, tendiert man schließlich eher zum Verdacht der Konzeptlosigkeit. Da hilft es auch nicht wirklich, dass hier Simon Richmond alias Palm Skin Productions produziert.

Seite 4 verstärkt den Eindruck dann noch mehr – „Fraternity“ ist ein hektisches Stück Drum’n’Bass, bei dem einfach keine Freude aufkommen will, und „Catscratch“ wiederholt diesen Fehler dann auch noch. Vertrackt dräunend rennt die Platte dem Ende entgegen und man fragt sich, wie aus der Band, die auf der ersten Seite so erfreulich stilvoll die Lounge beschallte, diese unfroh klöppelnde Drum’n’Bass Combo weden konnte.

Das ist wirklich sehr schade. So ist man am Ende ratlos und leicht genervt von den unnachgiebigen Beats – und weiß, dass man das zweite Stück Vinyl wohl nicht mehr aus der Hülle holen wird. Aber die erste Hälfte, die ist wirklich prima. Immerhin.

KING KOOBA – ENTER THE THRONE ROOM – SECOND SKIN – SKINLP005 – 6/10

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