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Ians Extrarunde im Hause Krause

Seitdem ich bei der Auswahl von Tonträgern für diesen Blog immer mal wieder auf erstaunliches stieß, wenn ich mir Werke ausgesucht habe, die ich irgendwie noch nicht so richtig wahrgenommen hatte, obwohl sie schon länger in meinem Besitz waren, habe ich so etwas wie ein Faible für das Aufspüren derartiger Fundstücke entwickelt. Und tatsächlich ist es immer wieder so, dass ich dabei höchst Erfreuliches entdecke.

Zumindest partiell ist das auch hier der Fall. Ian Simmonds, ein Künstler der frühen Stunde bei !K7, war für mich überraschend ins Zentrum der leicht frickelig freidenkenden Minimalelektroniker emigriert, zu Musik Krause, w0 er dann aber wie befreit frische kreative Adern entdeckte und dann doch zum nachvollziehbaren Mitglied der krausen Familie wurde.

Spätestens die Remixes seiner Burgenland Dubs sorgten dann dafür, dass aus dem Simmonds Uns Ian wurde, komplett mit Krause Duo Remix und so. Man könnte argumentieren, dass die Burgenland Dubs schon ein so dermaßen erfreuliches Ereignis waren, dass die vier kleinen Nachklapper hier nicht wirklich von großer Bedeutung sein könnten, aber das wäre wirklich etwas arg zickig.

Das Hübsche an dieser EP ist, und da fangen wir heute einfach mal hinten an, dass es das Krause Duo ist, das dem Ian, der den Krauses eine Tüte Jazz mitbrachte, als er zum Label kam, beim Remix von „Kon 1“ eine Art Retourkutsche verpasst, indem sie für ihre Neuabmischung Mat Grote einladen, der eine feine Jazz Gitarre spielt, und dann noch Krishan Zeigner perkussive Additive beisteuern lassen. Fast so als wollten sie Simmonds sagen, ist okay, haben uns über die Tüte gefreut, Nachschub wär auch okay.

Dave Aju hat „The Esel“ ein wenig geschoren und gebürstet, der ist gar nicht mehr so störrisch wie im Original, mutiert glatt zum The Dancefloor Esel. Die Vocals hat er auch gleich noch weiter nach vorne geholt, als wollte der Dave gleich einen Hit-Esel frisieren. Tut aber gut, das funktioniert.

Eindeutiger Höhepunkt der EP ist aber ohne jeden Zweifel der Even Tuell Remix von „Speak“, der geradezu elegisch und schwärmerisch daher kommt. Fast wäre man genötigt, sich zu fragen, ob das nicht vielleicht doch der Superpitcher gewesen sein könnte. Da nimmt man sich einfach die tief im Komplexen vergrabene Seele des Grooves vom Original, legt sie konsequent frei, fügt ein paar wunderbar einfache und effektvoll verfremdete Streichersamples hinzu, reduziert das vokale Geschehen auf ein einziges Wort, „Speak“ natürlich, und lässt uns fast siebeneinhalb Minuten schwelgen. Richtig schön ist das.

Der Opener „Lutherstreet Blues“ mit Martin Rudloff an der Trompete ist dann noch einmal ein Willkommensgruß der Krause Gang an den Simmonds’schen Jazz, atmosphärisch dicht und auf verregnete Weise cool. Fast schon etwas für ein Soundtrack, aber bei den Krauses ist eben immer schon mehr möglich gewesen als anderswo.

Das einzig vorsichtig kritische, was man sich so denkt, wenn man die vier Tracks gehört hat: Mensch, wäre bei so einem feinen Album nicht vielleicht noch ein wenig mehr drin gewesen als vier Remixes? Aber meckern ist echt nicht so angebracht. Ich für meinen Teil freue mich, dass ich an Abenden, wo es mal so richtig schön emotional werden darf, der „Speak“ Remix in der Tasche darauf wartet, seine Wirkung zu entfalten. Ich freu mich drauf.

IAN SIMMONDS – THE BURGENLAND REWORKED EP – MUSIK KRAUSE – MK 32 – 8/10

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