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From Motor City to Motor City

Dass sich hinter dem Namen Inverse Cinematics zumindest zur Hälfte der gleiche Mann verbirgt wie hinter dem ungleich bekannteren Namen Motor City Drum Ensemble, musste ich mir tatsächlich von Eddi erklären lassen, dem Barmann in Rödelheim, in dessen Laden ich jahrelang die Freitagabende beschallen durfte. Ja, sagte er, als ich ihn erstaunt ansah, das ist der gleiche Typ.

Stimmt. Danilo Plessow, seines Zeichens viel gefeierter House Held aus Stuttgart, war auch vorher schon recht amtlich unterwegs, nur ungleich näher am Jazz. Was der Titel dieser EP ja durchaus nahe legt. Dass der Name der anderen großen Autostadt im Titel der EP zu finden ist, hat ebenso seine Berechtigung – das, was wir hier zu hören bekommen, ist zumindest im Titeltrack durchaus Detroit Jazzin‘ und nicht, beispielsweise, New Orleans Jazzin‘.

Also flottes Tempo, stilvoller Einsatz von Synths, ein wirklich guter Groove, ein paar soulschwangere Gesangssamples. Das Jazz Element klar am akustisch klingenden Bass zu erkennen, und am trocken treibenden, lässig gebrochenen Beat. Was wir sonst nur aus Skandinavien zu hören kriegen, beispielsweise von Xploding Plastix, oder dann und wann von Kevin Yost dargereicht bekommen, hier kommt es satt und kompetent aus Stuttgart.

Wie auch beim Motor City Drum Ensemble ist die Drum Arbeit von Danilo Plessow exzellent, die Samples sind klug gewählt und stimmig, der Einsatz der Synth Sounds stilvoll. Spannende Breaks sorgen für ausreichend Abwechslung – kein Wunder, dass Eddi damals der Track so gut gefiel.

Der Main Mix ist klar der Favorit hier – der All Good Funk Alliance Remix bringt nicht wirklich neue Ideen, wirkt fast eher wie eine Alternativversion des Originals. Die variierte Bass Line hat nicht den gleichen Drive, der modifizierte Drum Beat nicht so viel Groove, die bearbeiteten Vocal Samples garnieren mehr als dass sie dem Konzept angehörten – das ist nett, das gefällt, aber rollt auch ein wenig beliebig an uns vorbei.

Auf der B-Seite geht Herr Plessow etwas kantiger an die Beat- und Sample-Arbeit, lässt mal schön die Synths knarzen und die Beats rumpeln, so als wollte er uns sagen, dass der gefällige Teil des Abends nun vorbei sei und die deftigeren Nummern ausgepackt werden. „Sine-Flow Disco“ hört sich denn auch an als wäre es so etwas wie eine Zero dB Neuabmischung eines Inverse Cinematics Stücks. Da meint es einer ernst, inklusive Lateinamerikanischer Elemente und deftigen Drum Breaks. Gegen Ende geht die Reise definitiv Richtung Brasilien, ohne das elektronische Element über Bord gehen zu lassen.

Das abschließende „April Four“ nimmt dann wieder deutlich Tempo und Druck raus, so als wolle man sich eher Richtung Washington bewegen, in die Eighteenth Street Lounge der Thievery Corporation. Sehr auf Salon getrimmt, mit entspanntem Groove, und die Querflöte vom Dorfmeister ist auch mit dabei. Wie immer bei Inverse Cinematics überzeugende Beats, nur der Gehalt ist hier etwas dürftiger ausgefallen. Gute B-Seite halt.

Eine solide EP von einem Projekt, das durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte. Aber die bekam der gute Danilo dann ja noch – als Motor City Drum Ensemble.

INVERSE CINEMATICS – DETROIT JAZZIN‘ EP – PULVER – PULVER 016 – 6,5/10

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