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Vier mal fein gemischt bitte

Die Karlsruher Experimental-Elektroniker lassen sich auf dieser EP von vier ausgewiesenen Feinmotorikern der elektronischen Musik ein paar schöne neue Kleider schneidern – Jan Jelinek (~scape), Nôze (Get Physical), Staubgold Labelkollege David Last und Aoki Takamasa (Fat Cat, heute Raster-Noton).

David Last verwandelt „Matt“ in ein leicht verspieltes, fast fröhliches, richtiggehend indisch verbrämtes kleines Fest mit feinen gebrochenen Beats, Dub Anleihen und Schellenkranzgehüpfe fast wie beim Folkloreabend im Touristenhotel. Richtiggehend übermütig, mit Kollektief-untypisch lebhaftem Kern. Fast schon treibt er es ein wenig zu bunt. Aber nur fast.

Herr Takamasa setzt im Anschluss im Remix von „After The Rain“ einen deutlichen Kontrapunkt, mit reduziertem Tempo im elektronisch verkleideten Hip Hop Beat, zerhäckselter Elektronik und ganz viel Entspanntheit. Das ist richtiggehend funky, und die kleinen Garnierungen vom Xylophon geben dem ganzen noch einen richtig feinen entrückten Hauch von Unschuld. Fast schon ein wenig zu lieb. Aber nur fast.

Nôze setzen beim „Lichterloh“ Remix auf flotte Minimal Beats und eine gute Prise Melancholie, gepaart mit ein wenig originalem Saxophon-Irrsinn und vokale Experimente – zwischenzeitlich treibt das gut an, schont hier und da allerdings auch nicht gerade die Nerven. Fast schon ein wenig zu forsch. Aber nur fast.

Das klare Highlight ist aber der Jan Jelinek Remix für die „Unstet-Schleifen“. Ein irrsinnig langsamer, deutlich in Jazz getränkter Beat mit einer simplen, aber wunderbaren Bass Line, ein paar Soundschleifen, die sich wie himmlisch entrückte Hawaii-Gitarren anhören – und beglückend seeliger Tiefe. Das ist von wirklich sehr seltener Schönheit. Nein, definitiv nicht fast schon zu schön. Einfach nur richtig schön.

KAMMERFLIMMER KOLLEKTIEF – REMIXED PART 1 – STAUBGOLD – STAUBGOLD 63 – 8/10

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