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DER Klaus?

Lars Vegas nennt sich einer der beiden DJs/Produzenten, die unter dem Namen Karma ab Mitte der 90er im absichtlich eher wenig definierten Bereich aus Drum & Bass, Downbeat, Breakbeat und anderen verwandten Musikstilen ein recht kreatives Leben führte. Jener Lars Vegas, der als einer der Gründer des Groove Attack Ladens und Labels in Köln quasi deutsche Musikgeschichte geschrieben hat. Gemeinsam mit seinem Kumpel Tom gründete er damals das Groove Attack Sublabel Spectrum Works, extra für deren Projekt Karma.

Zentraler Bestandteil ihrer Veröffentlichungen war eine neunteilige 12″ Serie, die auch einfach nur durchnummeriert wurde. Dies hier ist dementsprechend der Abschluss dieser Serie, in der sie neben „Modifications Pt. 1“ auch einen Remix von „Let’s Go Thrillseeking“ veröffentlichten. Interessant dabei ist der Remixer: Elektronik-Legende Klaus Schulze.

Für alle, die nicht so ganz etwas mit diesem Namen anzufangen wissen: Schulze ist einer der Urväter des Synthesizers und war Ende der 60er zwei Jahre lang der Keyboarder von Tangerine Dream. Er hat schon sehr früh angefangen, mit einem Big Moog zu arbeiten, einem der größten Moog Synthesizer, die es je gab. Bekannt sind vor allem seine Alben mit Pete Namlook – die elf Alben der Reihe „The Dark Side Of The Moog“.

Aber erst einmal zu Karma und ihren „Modifications“. Die knappen 10 Minuten dieses Stücks werden von deutlich auf Jazz getrimmten Rhythmen geprägt – die Drums spärlich auf Becken und Snare begrenzt, der Bass auf wenige knappe Noten reduziert. Dazu ausgiebige Soloarbeit an der Querflöte. Stilistisch irgendwo zwischen Cinematic Orchestra und Kruder & Dorfmeisters „G-Stoned“ EP angesiedelt, legen die beiden noch wechselnde Synth Flächen dahinter und garnieren mit Rhodes Akkorden, während der Bass sich im Laufe des Stücks beim gleichen Thema mit gezupften Streichern abwechselt. Downbeat auf der Höhe der Zeit, klare Sache – mit einem ausgedehnten Break, in dem die Synth Flächen allein von Sprachsamples und einem Chor begleitet werden. Und dann kommt sie doch noch, die Bassdrum im mittleren Tempo – so nach geschätzten sechseinhalb Minuten. Kann man so machen – und hört sich auch heute nicht unbedingt verkehrt an.

Schulzes Remix von „Let’s Go Thrillseeking“ ist ebenfalls eine extrem entspannte Angelegenheit. Dicker Samt weichster Synth Strings legt die Basis für wirklich ungeheuer nostalgisch anmutende Synthesizer Sounds, dicke Chöre, begleitet von fein dosierten Drums aus der Box. Das kommt schon mal ziemlich sakral rüber, vor allem durch die Chöre, deren Themen einen immer mal wieder kurz befürchten lassen, dass sie gleich noch dominanter werden und Herr Cretu um die Ecke biegt. Aber nein, wir sind ja beim Herrn Schulze, der tut so etwas nicht. Lieber lässt er seine Lieblings-Synthesizer-Stimme ein paar kleine Soli spielen.

Interessant, wie hier 2001er Downbeat mit Elementen früher Synthesizer Musik gekreuzt wird – so viel Raum hätte ein Produzent Anfang des 21. Jahrhunderts nicht in die Bar gelassen. Da war man lieber „tight“ unterwegs. Man kann ein wenig meckern, dass Schulze über den gesamten Zeitraum der acht Minuten und sechs Sekunden ein klein wenig mehr Abwechslung hätte schaffen können – aber vermutlich würde er über solch eine Bemerkung nur die Nase rümpfen. Also schimpfen wir nicht. So oft hat Schulze nicht am Remix Pult gesessen, da sind wir schon froh, dass er hier überaupt einmal ein Statement abgibt.

Keine wirklich essentielle 12″, aber eine durchaus bemerkenswerte Kooperation und ein spannendes Zeitdokument – in doppelter Hinsicht.

KARMA – 9 / LIMITED MODIFICATIONS 12″ – SPECTRUM WORKS – SPEWO14 – 5,5/10

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