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Wären nur alle Tage wie dieser

Das konnte ja nur ein großer Wurf werden. Theo Parrish allein hätte ja schon gereicht. Egal was der Mann tut, es hat einfach große Klasse. Hier tut er das, was er am besten kann, produzieren und die Keyboards bedienen. Die Drums übernimmt Tony Allen. Nigerianer, Drummer in Fela Kutis Africa 70, Vater des Afrobeat, Polyrhythmiker, verehrter und gesuchter Session Musiker.

Da lässt man dann auch nicht irgendwen singen. Eska Mtungwazi, geboren in Zimbabwe, beheimatet in London, und von niemandem geringeren als Gilles Peterson als eine der wichtigsten britischen Sängerinnen bezeichnet. Und wenn man die drei zusammen hat und Theo Parrishs „Flowers“ noch in den Ohren hat, dann muss auch Andrew Ashong noch dazu geholt werden, und seinen Bass bringt er auch gleich mit.

Theo Parrish startet mit dieser 12″ sein neues Label „Wildheart“ und erklärt uns, sein Sound Signature Label sei für den Körper, Wildheart für alles andere. Interessanter Ansatz, nur ist die Wirkung insbesondere von „Day Like This“ auf das, was Theo als alles andere bezeichnet, so dermaßen nachhaltig, dass der Körper davon definitiv nicht unbetroffen bleibt.

„Day Like This“ ist schon deswegen ein großartiges Stück, weil es einerseits das Kunststück fertig bringt, einen richtig amtlichen modernen Soul Klassiker abzuliefern, andererseits aber dank der unvergleichlichen Art von Tony Allen, sein Schlagzeug zu bedienen, weit davon entfernt zu sein, auch nur in die Nähe eines Klischees zu kommen. In diesen paar Minuten erlebt man, was moderner Soul leisten kann, wenn man nicht in vordergründigen R&B Platitüden denkt, wenn man sich nicht ohnehin schon wundgescheuerter Schablonen bedient, die aus alten Scheiben geschnitzt und über irgendwelche Sternchen gestülpt werden, um sie gewinnmaximierend durch die Abendunterhaltung der Fernsehsender zu schleusen.

Auf der Rückseite geht es ein ganzes Stück samtiger zu, mit dicken Synth Pads, und David Okumu komplettiert das Ensemble als Gitarrist. „Feel Loved“ lebt ebenfalls vom großartigen, hier etwas zurückgenommeneren Schlagzeugspiel Tony Allens, und die fünf haben alle Zeit der Welt. Everyobody wants to feel loved, mehr muss man nicht sagen, und das kann man ruhig auch minutenlang tun, wenn man es so stilvoll und beseelt tut wie hier.

Und statt dass das Stück sich aufbaut, wird es zur Mitte hin eher dekonstruiert, um Theo und Tony ein wenig Raum für Improvisationen zu geben. Ganz weit öffnet sich hier der Raum, und nur langsam findet der Rhythmus wieder zurück ins Arrangement, da sind wir längst über den Feldern der Liebe schwebend entrückt. Es scheint als hätte Theo Parrish in Tony Allen einen idealen Partner gefunden, für all das, was nicht Körper ist. Sehr fein.

THEO PARRISH & TONY ALLEN – DAY LIKE THIS / FEEL LOVED – WILDHEART – WHR 001 – 8/10

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