ceivercool

Auf ycoolen Abwegen

Eigentlich ist eigentlich ja ein echt ätzendes Wort. So etwas die die kürzeste Variante des sich mal so rein gar nicht festlegen wollens. Ausflucht, Ausrede, Ausweichmanöver. Aber manchmal braucht man so ein eigentlich wirklich. So ein ganz dickes fettes sogar. Wie bei dem Ding hier. Denn EIGENTLICH hat Jiri.Ceiver – sein bürgerlicher Name ist Arno Paul Jiri Kraehahn – Mitte der 90er ziemlich derbe Techno Sachen gemacht. Harthouse Style eben. Ich persönlich fand das Label ja bei aller Würdigung der Pionierarbeit teilweise echt schwer zugänglich, um es mal nett zu formulieren. Aber man muss anerkennen, dass sie stilistisch durchaus viel Offenheit gezeigt haben und dabei manchmal echte Perlen hervorbrachten.

„Ycool“ zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie viel Airtime Harthouse so auf Viva hatte in dieser Zeit – aber dieses Stück war da zu sehen, wie man leicht auf Youtube herausfinden kann. Und wenn man nicht genau wüsste, dass das genau dieser Jiri.Ceiver ist, und das tatsächlich auf Harthouse raus gekommen war, dann würde man sich die Augen reiben und denken, dass irgend ein Vollidiot die Tapes verwechselt hat, oder zumindest kräftig bei der Geschwindigkeit daneben gelangt hat.

Denn die Originalversion „Ycool – Jiri. vs. Jinks“ ist so gar nicht schnell, so gar nicht Techno, so rein gar nicht elektronisch, sondern eigentlich ein schwer schleppender dreckiger Blues. Zumindest ist das eine Beschreibung, die dem, was man da hört, am nächsten kommt. Ein bis in die langsamste Zeitlupe runtergedrehter und zementschwer schleppender Drum Beat, eine arschcoole Bassline und ein paar clever rein editierte Bluesgitarren, angereichert mit Sprachsamples, die den bekifften Gesamteindruck noch mal verstärken – man muss sich ernsthaft fragen, was man alles anstellen muss, um mit so einem dreckigen Bastard Blues daher zu kommen.

Vermutlich wäre mir dieses Stück nie aufgefallen, wenn nicht die großen Downbeattrüffelschweine von Boozoo Bajou das Ding auf ihren „Juke Joint“ Sampler geholt hätten. In einer ohnehin schon großartigen Auswahl war das die mit Abstand feinste Empfehlung. Und mit ein bisschen Glück fand ich die 10″ dann auch noch auf Ebay. Die Freude war groß.

Eigentlich (ja klar, jetzt wo ich nen Grund hab, hol ich gleich die Zehnerpackung eigentlich raus) hat so eine 10″ zwei Seiten. Aber eigentlich hätte hier auch eine gereicht. Seite zwei bietet zum gleichen Stück noch Russ Gabriel’s 12 Bar Desert Mix. Nur – nach so einer ultrafetten Portion Coolness auf Seite 1 hat der gute Russ nicht wirklich eine Chance. Sein Versuch, das Ganze ins Gegenteil zu verkehren und den Beat als Drum&Bass Version zu verdoppeln, ist sicher nicht dumm, und die edlen Rhodes Akkorde sind auch nicht verkehrt, aber klar, viel mehr als registrieren wird man die zweite Seite nicht.

Ist auch egal. Way fucking cool, die Nummer. Also das Original. Seite 1. Und nicht den Fehler machen und dem Aufdruck auf dem Label Glauben schenken. Bei Harthouse hat man wohl gedacht, das ist ne langsame Nummer, die läuft auf 33. Aber so langsam ist sie nun auch wieder nicht. Das Ding läuft auf 45. Und wie.

JIR.CEIVER – YCOOL 10″ – HARTHOUSE – 28186.0015.0 – 7/10

« »