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Wenn das Soundtrack länger als der Film ist

Benjamin Herman ist Holländer, und er spielt Saxophon. Bandleader ist er auch, seine Formation nennt sich New Cool Collective. Und er hat auch schon an der Seite von Candy Dulfer gespielt. Vor sechs Jahren wurde er mal von „Esquire“ zum bestangezogenen Holländer gewählt.

Aus dieser kurzen Auflistung von Fakten lässt sich schon ein wenig herauslesen, dass der Benjamin so ein wenig auf der arrivierten, vielleicht gar etwas schmalzigen Seite des Jazz und Swing zu Hause ist. Und wenn man liest, dass er für dieses Album das City of Prague Philharmonic Orchestra eingeladen hat, verstärkt sich natürlich der Eindruck, dass es auf „Deal“ recht gediegen zugehen könnte.

Aber da täten wir Herrn Herman Unrecht. „Deal“ ist nur in wenigen Momenten etwas schnulzig, meist sogar ziemlich lebhaft. Und es hat durchaus Stil. Genau genommen handelt es sich auch um ein Soundtrack – Regisseur Eddy Terstall brauchte für einen 30minütigen Film um einen Mann, eine Frau und eine Hand voll Euro etwas Musik. Dass die gesamte Spieldauer länger ist als die 30 Minuten des Films, zeigt primär, dass Herman offensichtlich Spaß an der Arbeit hatte.

Konzeptionell ist „Deal“ so etwas wie eine Hommage an Spionage- und Agentenfilme der 60er und 70er und deren Filmmusik. Das macht man nicht mal so eben, dass man solch einen Sound nachempfindet und in die Gegenwart holt, und so hat Benjamin Herman auch deutlich über ein Jahr an diesem Album gesessen. Anfangs mit vier Kollegen, irgendwann dann auch mit dem oben erwähnten Orchester – ohne dessen Streicher wäre der Sound nicht so authentisch.

Die Mitstreiter sind durchweg fähig – Manuel Hugas spielt seinen Honer Bass, als hätte man ihn direkt aus den späten 60ern ins 21. Jahrhundert gebeamt, Joost Kroon erweist sich am Schlagzeug als versiert und variabel, Jesse van Ruller macht an der Gitarre eine elegante Figur und Carlo de Wijs rundet an der Hammondorgel die Zeitreise wirklich gekonnt ab. Herman selbst zeigt, dass er sein Saxophonspiel in den Rahmen des gewählten Konzepts bringen kann, ohne sich in Klischees zu verdudeln. Erfreulich, denn die Renaissance des Instruments dürfte noch immer recht lange auf sich warten lassen.

Zwischen Bond-ähnlichen Mustern, Ausflügen an die Cocktail-Bar, entspannten Funk-Anleihen, dramatischen und sinnlichen Momenten bedient das Album so ziemlich jedes Thema, das zu einem alten Agentenfilm gehört – und Hermans Band bringt sie überzeugend auf die Bühne. Das ist stilvoll eingespielt, hat einen guten Schwung und lässt den bestangezogenen Holländer erfreulich oberhalb der anfänglichen Befürchtungen landen.

Klar, das ist nicht viel mehr als ein unterhaltsames Album, das man mit genügend Genuss problemlos durchlaufen lassen kann, und auch in der DJ Tasche wird es eher nur vereinzelt landen, wenn die Bar gehobener und das Publikum gesetzter ist – aber das ist immer noch aller Ehren wert. Im besten Sinne unterhaltsam.

BENJAMIN HERMAN – DEAL – DOX RECORDS – DOX165 – 6/10

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