russincogzaius

„One Classic Track – Two Versions“ – oder auch vier.

Ein nettes Konzept ist das, was man sich da bei Expansion ausgedacht hat. Eine Serie mit 10″es, in der man sich jeweils einen Klassiker greift und ihn einer modernen Variante gegenüberstellt. Und zwar nicht einem Remix, sondern einer neu eingespielten Version des gleichen Stücks. Nicht, dass da Missverständnisse aufkommen.

In der inzwischen dritten Runde hat man sich einen Jazzfunk-Klassiker von 1976 herausgepickt. Eddie Russ mit „Zaius“. Herr Russ ist ein Keyboarder aus Pittsburgh, der in vor allem in den 70ern aktiv war, und mit seiner Band eine Handvoll Alben produzierte. „Zaius“ war klar sein größter Wurf, und ein sehr gelungener Griff ins Regal der vergessenen Klassiker.

Zugegeben – ich kannte das Stück nicht, ebenso wie den guten Eddie. Damit scheine ich mich aber in richtig guter Gesellschaft zu befinden. Denn als ich das Stück auf decks.de vorhörte, war das ein richtig lässiger und entspannter Groover. Auch als ich die Platte auspackte, sie auf dem Plattenteller platzierte, und dort die geforderten 33 Umdrehungen pro Minute wählte, war es das noch.

Nur… um dieser Rezension ein wenig Gehalt zu geben, forschte ich im Internet ein wenig weiter. Unter anderem hörte ich mir den Track von der Original LP auf Youtube an. Doch was höre ich da? Ein flotter Tanzflächenfeger im Uptempobereich. What the fuck? Zurück an den Plattenteller, schnell mal von 33 auf 45 umgeschaltet, noch mal neu angesetzt – und siehe da, das nun zu hörende Stück von der 10″ ist identisch mit dem Teil, das auf Youtube zu hören ist.

Also klarer Fall: Die Plattenfirma hat die falsche Geschwindigkeit auf das Label gedruckt, und bei Decks hat man die Angaben brav umgesetzt, ohne zu wissen, dass man da die falsche Geschwindigkeit laufen hat. Das interessante ist nämlich: „Zaius“ hört sich auch auf 33 durchaus prima an, und tatsächlich fällt es schwer, dem so entstehenden Stück anzuhören, dass da was falsch läuft.

Wir gehen mal davon aus, dass man bei Expansion nicht absichtlich die langsamere Variante gewählt hat, weil man das so besser findet. Denn auch die Version von Incognito ist mit der falschen Angabe versehen. In jedem Fall habe ich mir tatsächlich diese 10″ wegen des Originals gekauft, und nicht wegen der Incognito-Kopie.

Und egal unter welcher Geschwindigkeit, das Original groovt deutlich mehr, die schrammelnden Soul-Gitarren wirken ein gutes Stück authentischer. Incognito ist sicher eine feine Band, aber eben immer auch ein wenig arg gebügelt, schweißfrei. Eddie Russ ist sicher auch der etwas virtuosere Keyboarder. Trotzdem – auch wenn wie so oft die Kopie nicht ganz an das Original heranreicht – das Konzept dieser Reihe macht Spaß.

Lustig ist das mit dem falschen Tempo allemal. Ich glaube, ich werde mir mal den Spaß erlauben, bei einem Bar-Set den Eddie auf 33 laufen zu lassen. Ich bin sicher, dass das niemand beanstanden wird. Muss mir nur überlegen, was ich sage, wenn mich einer fragt, was das denn für ein Stück sei. Und was ich mache, wenn der Eddie vorbei kommt.

EDDIE RUSS / INCOGNITO – ZAIUS – EXPANSION – 10EXP20142 – 6,5/10